Die Zitate
Zwischen 2015 und 2017 äußerten sich mehrere europäische Politiker öffentlich zum erwarteten gesellschaftlichen Wandel durch Migration. Dieser Artikel dokumentiert die Aussagen im Wortlaut, mit Datum, Anlass und Quelle — ohne Interpretation der Motive. Die weiteren Teile der Serie stellen diesen Aussagen die verfügbaren Zahlen zu Geburtenrate, Bildung, Sicherheit und Wohnraum gegenüber.
01Katrin Göring-Eckardt: "Es wird bunter werden"
Die damalige Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen äußerte sich im November 2015 bei zwei unterschiedlichen Anlässen in ähnlicher Weise zum erwarteten Wandel Deutschlands durch die Migrationsbewegung des Jahres 2015.
Die Formulierung "Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch. Und ich freue mich darauf" wurde in den Folgejahren zum meistzitierten Satz Göring-Eckardts. Sie hat die Aussage seither mehrfach öffentlich bekräftigt und ihre Kritiker zurückgewiesen.
02Karl Lagerfeld: "Millionen ihrer schlimmsten Feinde"
Der Modeschöpfer Karl Lagerfeld äußerte sich am 11. November 2017 in der französischen Fernsehsendung "Vivement Dimanche" (Moderator: Thierry Ardisson) zur Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Lagerfeld kündigte die Aussage selbst als "etwas Schreckliches" an, bevor er sie traf. Im Anschluss erzählte er eine Anekdote über einen jungen syrischen Geflüchteten, der laut Lagerfeld gegenüber seiner Gastgeberin geäußert habe, die "beste Erfindung Deutschlands" sei der Holocaust gewesen — woraufhin die Gastgeberin ihn vor die Tür gesetzt habe. Die Aussage löste in Frankreich und Deutschland Kritik aus; große Teile der Presse bezeichneten sie als "unfassbare Aussage".
OFFEN: Ob die von Lagerfeld geschilderte Anekdote sich genau so zugetragen hat, ist nicht unabhängig verifizierbar — sie basiert allein auf seiner eigenen Darstellung im Interview. OFFEN
03Alexander Van der Bellen: "Wir alle Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen"
Der österreichische Bundespräsident äußerte sich am 25. April 2017 bei einer Podiumsdiskussion im Haus der Europäischen Union in Wien (ausgestrahlt im ORF-"Report") zur Kopftuchdebatte.
Van der Bellen begründete die Aussage mit einem historischen Vergleich: Nicht-jüdische Dänen hätten während der deutschen Besatzung angeblich aus Solidarität den Davidstern getragen, um jüdische Mitbürger vor Deportation zu schützen. (Historiker bewerten diese konkrete Davidstern-Erzählung überwiegend als Legende — die dänische Judenrettung 1943 erfolgte auf anderem Weg, durch Flucht nach Schweden. OFFEN)
Im Oktober 2022, im Kontext der Proteste nach dem Tod von Mahsa Amini im Iran, bekräftigte Van der Bellen die Aussage im Interview mit Puls24 und stellte klar, dass sie "die Männer genauso" betreffe.
04Kontext: Die Verschleierungs-Gesetzeslage im europäischen Vergleich
Van der Bellens Aussage fiel in einem Land, das zum Zeitpunkt seiner Äußerung noch kein generelles Verschleierungsverbot hatte — dieses trat erst wenige Monate später in Kraft. Der folgende Überblick zeigt die Rechtslage zur Vollverschleierung in ausgewählten europäischen Ländern (Stand 2026):
| Land | Regelung | Seit |
|---|---|---|
| Frankreich | Generelles Verbot im öffentlichen Raum | 2011 |
| Belgien | Generelles Verbot im öffentlichen Raum | 2011 |
| Österreich | Generelles Verbot ("Anti-Gesichtsverhüllungsgesetz") | 2017 |
| Dänemark | Generelles Verbot im öffentlichen Raum | 2018 |
| Norwegen | Verbot an Schulen und Hochschulen | 2018 |
| Niederlande | Bereichsspezifisch (ÖPNV, Ämter, Schulen, Kliniken) | 2019 |
| Schweiz | Generelles Verbot (Volksabstimmung) | 2021 |
| Deutschland | Nur Teilverbote: Bundesgesetz für Beamte/Dienstausübung (2017); Bayern für Schulen/Ämter (2017); einzelne Länder für Schulen (u.a. Baden-Württemberg 2020). Kein generelles Verbot im öffentlichen Raum. | — |
Die Debatte ist in Deutschland nicht abgeschlossen: Im Februar 2026 beschloss der CDU-Parteitag auf Antrag der CDU-Frauen (Vorsitzende: Nina Warken) einstimmig die Forderung nach einem generellen Verbot von Niqab und Burka mit der Begründung, Vollverschleierung "verhindere Integration" und schaffe "Parallelstrukturen". Die Vorsitzende der SPD-Frauen, Carmen Wegge, lehnte dies ab: Frauen dürften nicht "bevormundet" werden.