Rheinmetall, Hensoldt und der Bundeshaushalt: Wie eine parlamentarische Entscheidung sich in Echtzeit in Aktienkurse übersetzt — und wer davon profitiert.
Teil 1 zeigte die personelle Drehtür zwischen Medienhaus und Rüstungsindustrie. Dieser Teil zeigt die Zahlen dahinter — und den Mechanismus, der sie erzeugt: Der deutsche Verteidigungshaushalt ist kein abstrakter Posten, sondern ein direkter Kurstreiber für einen kleinen Kreis börsennotierter Unternehmen.
Im November 2025 billigte der Bundestag diesen Anstieg — eine Verdreifachung gegenüber 2023. Im Dezember 2025 genehmigte allein der Haushaltsausschuss 103 sogenannte „25-Mio.-Vorlagen" mit einem Gesamtvolumen von rund 83 Mrd. €, darunter ein einzelner Rekord-Beschluss über 52 Mrd. € „wie nie zuvor in einer einzigen Sitzung".
Eine „25-Mio.-Vorlage" ist eine parlamentarische Beschaffungsvorlage, die der Haushaltsausschuss ab einem Volumen von 25 Mio. € gesondert freigeben muss. Die schiere Zahl von 103 solcher Vorlagen allein 2025 zeigt das Tempo der Beschaffung.
Aktienkurs durchbrach im Februar 2025 erstmals die Marke von 1.000 €, markierte im Verlauf 2026 ein Rekordhoch von 1.500 € — ein Plus von rund 130 % allein seit Jahresbeginn 2026. Umsatz 2024: +36 %, davon im Militärsegment allein +50 %.
BELEGT Kursdaten Börsen-öffentlich nachvollziehbar (u.a. deraktionaer.de, ir.rheinmetall.com)Kursentwicklung seit Kriegsbeginn Februar 2022: von rund 12,50 € auf ein Allzeithoch von 117,70 € im Oktober 2025 — ein Zuwachs von rund 840 %. Rekord-Auftragseingang Q4 2025: 4,7 Mrd. €. Bereinigtes EBITDA +12 % auf 452 Mio. €, freier Cashflow +39 % auf 347 Mio. €. Auftragsbestand Anfang 2026: rund 9,8 Mrd. € — das entspricht mehreren Jahren Vorlauf.
BELEGT Quartalszahlen, Auftragsbestand aus Unternehmensberichten und FinanzpresseAls Mitbewerber im „Uranos"-Rahmen (KI-gestütztes Aufklärungs-/Führungssystem der Bundeswehr) gemeinsam mit Rheinmetall, Hensoldt sowie den Startups Quantum Systems, Helsing und Arx Robotics genannt. Airbus-Aktie 2025/26 volatiler als die beiden anderen — u.a. wegen der stärkeren zivilen Luftfahrtsparte, die auf globale Lieferketten reagiert.
BELEGT Bewerberkreis laut Handelsblatt-Recherche, zitiert bei deraktionaer.deDiese Zahl (Hensoldt, Stand Februar 2026) beschreibt kein Marktversagen, sondern das Gegenteil: eine politisch beschlossene, strukturell garantierte Nachfrage, die schneller wächst als die industrielle Kapazität. Für Aktionäre ist das eine seltene Konstellation — ein Auftragsbestand, der auf Jahre hinaus Umsätze absichert, unabhängig von klassischen Konjunkturzyklen.
An dieser Stelle schließt sich der Kreis zu Teil 1: Dieselben Unternehmen (Rheinmetall, Hensoldt, Airbus, STARK, Helsing), deren Kurse an der Börse durch Bundestagsbeschlüsse getrieben werden, sind exakt die Firmen, die auf dem WELT-Sicherheitsgipfel im Springer-Hochhaus auftraten — und deren Wachstum von Fonds wie Doepfner Capital (Moritz Döpfner) mitfinanziert wird. Wer über die Bedrohungslage berichtet, die diese Haushaltsentscheidungen politisch begründet, sitzt damit nicht außerhalb, sondern innerhalb der Kette aus Nachfrage, Kapital und Berichterstattung.
Auch hier gilt die Einschränkung aus Teil 1: Eine Kursrally ist kein Beweis für eine gesteuerte Berichterstattung. Politische Entscheidungen zu Verteidigungsausgaben werden von gewählten Abgeordneten getroffen, nicht von Aktionären. Was belegt ist, ist ausschließlich die zeitliche und strukturelle Nähe der Akteure zueinander — nicht deren Absicht.
Wenn eine Bedrohungslage medial an Schärfe gewinnt (siehe Attributionskrieg-Serie) und im selben Zeitraum Kurse und Haushaltsposten in bislang unerreichte Höhen steigen — wie unterscheidet man dann sauber zwischen einer Sicherheitslage, die die Ausgaben rechtfertigt, und einer Ausgabenlogik, die eine Sicherheitslage braucht?