Seit Kriegsbeginn ist Wolodymyr Selenskyj jedes Jahr in Davos präsent gewesen — persönlich oder digital. Der Ton seiner Reden hat sich dabei merklich verschoben: von der Nothilfe-Bitte 2022 zum Investoren-Werben ab 2024.
Parallel zu den jährlichen Davos-Auftritten läuft seit Herbst 2022 eine dokumentierte Zusammenarbeit zwischen der ukrainischen Regierung und dem weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock beim Aufbau eines Wiederaufbaufonds.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| September 2022 | Der australische Bergbau-Unternehmer Andrew Forrest vermittelt ein erstes Gespräch zwischen Selenskyj und BlackRock-CEO Larry Fink. |
| November 2022 | BlackRock Financial Markets Advisory (FMA) und das ukrainische Wirtschaftsministerium unterzeichnen ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Beratung beim Aufbau eines Investitionsrahmens. |
| Dezember 2022 | Video-Konferenz Selenskyj/Fink, offizielle Ankündigung: Koordination aller potenziellen Investoren für den Wiederaufbau. |
| Mai 2023 | Vereinbarung zur Gründung des "Ukraine Development Fund" (UDF). BlackRock berät pro bono, neben JPMorgan und McKinsey. |
| 2024 | BlackRock zieht sich zeitweise aus der aktiven Investorensuche zurück; Wachstum des Fonds bleibt unter den ursprünglichen Erwartungen (ursprüngliches Ziel: bis zu 100 Mrd. US-Dollar). |
| Dezember 2025 | Fink kehrt zurück an den Tisch: erstes Treffen einer neuen Arbeitsgruppe zum Wiederaufbau- und Erholungsdokument, gemeinsam mit US-Unterhändlern und Selenskyj. |
| Januar 2026 | Laut New York Times sitzt Fink bei Verhandlungen zum Trump-Friedensplan neben Jared Kushner. BlackRock soll die Struktur für einen von Selenskyj genannten "800-Milliarden-Dollar-Wohlstandsplan" mitentwickeln. Details sollen in Davos vorgestellt werden. |
Dokumentierte Kritik an diesem Vorgehen: Die Publizistin Naomi Klein prägte dafür 2022 den Begriff "disaster capitalism". Das ist eine zitierfähige Fremdeinschätzung, keine Tatsachenfeststellung von uns.
Was dokumentiert ist: Selenskyj tritt seit 2022 jährlich in Davos auf. Das WEF bietet dafür jedes Jahr eine Bühne. Parallel dazu läuft seit 2022 eine kontinuierliche, mehrfach erneuerte Zusammenarbeit mit BlackRock zur Strukturierung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus — mit wachsender Verzahnung bis in die Führungsebene des WEF selbst (siehe Teil 1: Fink als WEF-Co-Vorsitzender seit 2025).
Was nicht dokumentiert ist: eine vergleichbar konkrete, vom WEF selbst initiierte diplomatische Friedensinitiative. Die Reden in Davos drehen sich um Sicherheitsgarantien, Investitionsklima und Wiederaufbau — nicht um einen vom Forum selbst vorangetriebenen Verhandlungsprozess.
Warum bietet eine Plattform, die sich "Verbesserung des Weltzustands" auf die Fahnen schreibt, seit fünf Jahren die Bühne für einen Kriegspräsidenten — ohne selbst eine dokumentierte Friedensinitiative vorzulegen?
Was bedeutet es, dass der Wiederaufbau eines Landes strukturell und personell zunehmend mit der Organisation verwoben ist, die zugleich als neutrale Dialogplattform für dessen Kriegspartei auftritt?