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Zurück zu Teil 1: Davos — Vom Management-Symposium zur Weltbühne
Juli 2026  |  Lesedauer: ca. 11 Minuten

Selenskyj, Davos und die Wiederaufbau-Frage

Fünf Jahre, fünf Auftritte — und eine parallele Timeline mit dem größten Vermögensverwalter der Welt.
Teil 2 dieses Dossiers dokumentiert die öffentlichen Auftritte des ukrainischen Präsidenten beim WEF seit 2022 sowie die parallel verlaufende Zusammenarbeit zwischen der ukrainischen Regierung und BlackRock beim Wiederaufbau des Landes. Beides ist getrennt voneinander dokumentiert und wird hier nebeneinandergestellt — nicht kausal verknüpft.

Keine Spekulation über Motive. Die Fakten sprechen für sich.

1. Selenskyj in Davos: Fünf Jahre, fünf Auftritte

Seit Kriegsbeginn ist Wolodymyr Selenskyj jedes Jahr in Davos präsent gewesen — persönlich oder digital. Der Ton seiner Reden hat sich dabei merklich verschoben: von der Nothilfe-Bitte 2022 zum Investoren-Werben ab 2024.

Mai 2022 Erste Davos-Rede seit Kriegsbeginn. Fordert "maximale" Sanktionen gegen Russland und einen "kompletten Rückzug vom russischen Markt". Ruft zum Wiederaufbau über den Fonds "United24" auf. WEF-Präsident Børge Brende fordert einen "Marshall-Plan" für die Ukraine.
Januar 2024 Wirbt in einer geschlossenen Sitzung mit über 70 CEOs von WEF-Partnerunternehmen um Investitionen: "Business investment is so necessary. Because people need jobs." Verweist auf 5% Wirtschaftswachstum 2023 trotz Krieg.
Januar 2025 Weitere persönliche Teilnahme, u.a. Gespräche zur ukrainischen "Friedensformel" mit Jens Stoltenberg und Andrij Jermak.
Januar 2026 Sonderrede zum fünften Mal. Zentrale Themen: Sicherheitsgarantien ohne funktionierende Beteiligung der USA seien wirkungslos, Forderung nach einer europäischen "Koalition des Handelns" und einer vereinten europäischen Streitmacht. Kritisiert wörtlich die Wiederholung: "Just last year, here in Davos, I ended my speech with the words: Europe needs to know how to defend itself. A year has passed and nothing has changed."
Quelle weforum.org (offizielle WEF-Reden-Transkripte 2022/2024/2026); Kyiv Independent, "Zelensky arrives in Davos" (2025)
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2. Die BlackRock-Timeline

Parallel zu den jährlichen Davos-Auftritten läuft seit Herbst 2022 eine dokumentierte Zusammenarbeit zwischen der ukrainischen Regierung und dem weltgrößten Vermögensverwalter BlackRock beim Aufbau eines Wiederaufbaufonds.

DatumEreignis
September 2022Der australische Bergbau-Unternehmer Andrew Forrest vermittelt ein erstes Gespräch zwischen Selenskyj und BlackRock-CEO Larry Fink.
November 2022BlackRock Financial Markets Advisory (FMA) und das ukrainische Wirtschaftsministerium unterzeichnen ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Beratung beim Aufbau eines Investitionsrahmens.
Dezember 2022Video-Konferenz Selenskyj/Fink, offizielle Ankündigung: Koordination aller potenziellen Investoren für den Wiederaufbau.
Mai 2023Vereinbarung zur Gründung des "Ukraine Development Fund" (UDF). BlackRock berät pro bono, neben JPMorgan und McKinsey.
2024BlackRock zieht sich zeitweise aus der aktiven Investorensuche zurück; Wachstum des Fonds bleibt unter den ursprünglichen Erwartungen (ursprüngliches Ziel: bis zu 100 Mrd. US-Dollar).
Dezember 2025Fink kehrt zurück an den Tisch: erstes Treffen einer neuen Arbeitsgruppe zum Wiederaufbau- und Erholungsdokument, gemeinsam mit US-Unterhändlern und Selenskyj.
Januar 2026Laut New York Times sitzt Fink bei Verhandlungen zum Trump-Friedensplan neben Jared Kushner. BlackRock soll die Struktur für einen von Selenskyj genannten "800-Milliarden-Dollar-Wohlstandsplan" mitentwickeln. Details sollen in Davos vorgestellt werden.
Quelle The Hill, CNBC, Fox Business (Nov./Dez. 2022, MoU und Fink-Selenskyj-Calls); Offizielle Website des ukrainischen Präsidenten president.gov.ua (Mai 2023); New York Times via Dragon Capital-Reprint (Jan. 2026)
BELEGT

Dokumentierte Kritik an diesem Vorgehen: Die Publizistin Naomi Klein prägte dafür 2022 den Begriff "disaster capitalism". Das ist eine zitierfähige Fremdeinschätzung, keine Tatsachenfeststellung von uns.

3. Die offene Frage

Was dokumentiert ist: Selenskyj tritt seit 2022 jährlich in Davos auf. Das WEF bietet dafür jedes Jahr eine Bühne. Parallel dazu läuft seit 2022 eine kontinuierliche, mehrfach erneuerte Zusammenarbeit mit BlackRock zur Strukturierung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus — mit wachsender Verzahnung bis in die Führungsebene des WEF selbst (siehe Teil 1: Fink als WEF-Co-Vorsitzender seit 2025).

Was nicht dokumentiert ist: eine vergleichbar konkrete, vom WEF selbst initiierte diplomatische Friedensinitiative. Die Reden in Davos drehen sich um Sicherheitsgarantien, Investitionsklima und Wiederaufbau — nicht um einen vom Forum selbst vorangetriebenen Verhandlungsprozess.


Warum bietet eine Plattform, die sich "Verbesserung des Weltzustands" auf die Fahnen schreibt, seit fünf Jahren die Bühne für einen Kriegspräsidenten — ohne selbst eine dokumentierte Friedensinitiative vorzulegen?

Was bedeutet es, dass der Wiederaufbau eines Landes strukturell und personell zunehmend mit der Organisation verwoben ist, die zugleich als neutrale Dialogplattform für dessen Kriegspartei auftritt?

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