Sanktionen sollen ein Verhalten unterbinden. Die dokumentierte Wirkung im Fall der westlichen Russland-Sanktionen ist teilweise das Gegenteil: Sie haben die Entwicklung genau der Infrastruktur beschleunigt, die sie verhindern sollten.
Putin selbst benannte die Sanktionspolitik öffentlich als Auslöser: Beim BRICS-Gipfel im Oktober 2024 argumentierte er, die USA hätten den Dollar "waffenfähig gemacht" ("weaponized"). Diese Aussage ist als Zitat eines Beteiligten belegt — sie ist keine externe Analyse, sondern die explizite Eigenbegründung der russischen Position.
Trump drohte im Februar 2025 mit Zöllen von 100 Prozent gegen Länder, die BRICS-Zahlungssysteme zur Ablösung des Dollars einführen — eine Drohung, die er seither wiederholt hat. Das Peterson Institute for International Economics prognostiziert, dass solche Zölle sowohl der US-Wirtschaft als auch den betroffenen Ländern schaden würden, durch geringeres Wachstum und höhere Inflation.
Die zentrale Beobachtung: Je stärker der Westen mit Sanktionsandrohung reagiert, desto stärker wird die Legitimationsgrundlage für den weiteren Ausbau alternativer Zahlungsinfrastruktur — unabhängig davon, ob dieser Ausbau technisch/wirtschaftlich erfolgreich ist.
Auch hier gilt Vorsicht vor Übervereinfachung: Analysten, zitiert von der South China Morning Post, mahnen selbst aus chinesischer Perspektive zur Zurückhaltung. Der iranische "Hormuz-Zoll" als Kriegsmaßnahme wird explizit nicht als übertragbares Friedenshandelsmodell eingeordnet. Operative Machbarkeit und Sicherheitsrisiken begrenzen laut mehreren Quellen die Skalierbarkeit der alternativen Systeme deutlich.
OFFENDieses Kapitel zeigt keine geheime Kooperation, sondern einen dokumentierten Mechanismus gegenseitiger Verstärkung: Jede westliche Sanktionsverschärfung liefert der Gegenseite ein öffentlich verwertbares Argument für den Ausbau eigener Infrastruktur — unabhängig von Erfolgsaussichten. Ob das strategisches Kalkül oder unbeabsichtigte Nebenwirkung ist, bleibt eine legitime offene Frage.