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Die WerteUnion und der Fall Maaßen

Vom konservativen CDU-Flügel zur Partei — und zum eigenen Beobachtungsfall des Verfassungsschutzes

Die WerteUnion begann 2017 als konservative Plattform innerhalb von CDU und CSU. Sieben Jahre später ist sie eine eigenständige Partei mit ihrem prominentesten Gesicht — einem ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten — der inzwischen selbst vom eigenen früheren Amt beobachtet wird. Dieses Dossier dokumentiert die Chronologie ohne Bewertung der beteiligten Motive.

Gründung als Reaktion auf 2015

Die WerteUnion entstand im Juni 2017 als eingetragener Verein, zunächst unter dem Namen "Freiheitlich-konservativer Aufbruch". Sie verstand sich als Plattform für wertkonservative Mitglieder von CDU und CSU, die Angela Merkels Entscheidung zur Grenzöffnung 2015 kritisch sahen. Der Verein war nie eine offizielle Parteigliederung und blieb innerhalb der Union von Beginn an umstritten — ihr wurde wiederholt Nähe zur AfD vorgeworfen.

Juni 2017 Gründung als Verein, Positionierung für restriktivere Migrationspolitik, nationale Identität und konservativere Wirtschaftspolitik.
21. Februar 2019 Hans-Georg Maaßen, kurz zuvor als BfV-Präsident abgelöst, tritt der WerteUnion bei.
10. Februar 2023 Maaßen erklärt öffentlich, die CDU müsse klären, ob sie "zu einer von vier linken Parteien im Bundestag" werde.
Anfang 2023 Maaßen sorgt mit einer Äußerung über "eliminatorischen Rassismus" für erhebliche Kritik. Die CDU-Spitze fordert seinen Parteiaustritt und leitet ein Ausschlussverfahren ein.
Januar 2024 Mitgliederversammlung der WerteUnion beschließt, die Namensrechte auf eine neu zu gründende Partei zu übertragen.
17. Februar 2024 Offizielle Gründung der WerteUnion als eigenständige Partei. Maaßen wird Bundesvorsitzender, zweiter Vorsitzender wird der frühere AfD-Bundessprecher (2015–2022) Jörg Meuthen.
31. Januar 2024 Das Bundesamt für Verfassungsschutz bestätigt in einem offiziellen Bescheid, Maaßen selbst als "Beobachtungsfall" im Bereich Rechtsextremismus zu führen.
1. September 2024 Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen: Die WerteUnion tritt erstmals als Partei an.
Oktober 2025 Maaßen tritt nach parteiinternen Auseinandersetzungen aus der von ihm mitgegründeten Partei aus.

Die Beobachtung durch das eigene frühere Amt

Die eigentliche Pointe der Geschichte liegt im Januar 2024: Das Bundesamt für Verfassungsschutz — die Behörde, die Maaßen selbst von 2012 bis 2018 leitete — stufte ihren ehemaligen Präsidenten offiziell als Beobachtungsfall ein. Amtsinhaber ist seit 2018 Thomas Haldenwang, ebenfalls CDU-Mitglied.

Hans-Georg Maaßen

BfV-Präsident 2012–2018, Werteunion-Vorsitzender 2023–2025

BELEGT Am 31.1.2024 durch offiziellen Bescheid des BfV als "Beobachtungsfall" im Bereich Rechtsextremismus eingestuft — bestätigt durch Maaßens eigene Veröffentlichung des Bescheids sowie durch Hintergrundgespräche des amtierenden BfV-Präsidenten mit Journalisten. Maaßen ging juristisch gegen die Einstufung vor dem Verwaltungsgericht Köln vor.

OFFEN

Der Ausgang von Maaßens Klage vor dem Verwaltungsgericht Köln war zum Zeitpunkt dieser Recherche nicht abschließend geklärt bzw. nicht öffentlich belastbar dokumentiert.

Wahlantritt 2024

Bei ihrem ersten Antreten als eigenständige Partei bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg im September 2024 blieb die WerteUnion bei allen drei Wahlen im Bereich unter einem Prozent der Stimmen. Maaßen selbst führte das Ergebnis öffentlich auf "mangelnde organisatorische Reife und Professionalität" sowie "unzureichende Sichtbarkeit" zurück.

Offene Fragen

Wie wird das Verwaltungsgericht Köln über Maaßens Klage gegen die eigene Beobachtung entscheiden — und was bedeutet der Ausgang für die Einstufungspraxis des Verfassungsschutzes gegenüber ehemaligen eigenen Amtsträgern?

Was genau führte im Oktober 2025 zu Maaßens Austritt aus der von ihm mitgegründeten Partei — und welche Richtung nimmt die WerteUnion ohne ihn?

Quellen u. a.: Wikipedia (WerteUnion, mit Primärquellenverweisen), Bundeszentrale für politische Bildung, taz-Archiv, Tagesspiegel-Archiv, t-online-Archiv.
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