Am 23. Januar 2019 erklärte sich Juan Guaidó, Vorsitzender der oppositionell dominierten Nationalversammlung, auf einer Kundgebung in Caracas zum amtierenden Präsidenten Venezuelas. Innerhalb von Minuten erkannte US-Präsident Donald Trump ihn als solchen an. BELEGT Dies ist durch zeitgleiche Presseerklärungen des Weißen Hauses und des State Department dokumentiert.
BELEGT Mit Executive Order 13857 vom 25. Januar 2019 definierte die Trump-Administration den Begriff "Regierung von Venezuela" für sämtliche Sanktionsverordnungen neu — unter expliziter Einbeziehung von Zentralbank und PDVSA — mit dem Ziel, das Maduro-Regime als alleinigen Adressaten der Sanktionen zu fixieren.
BELEGT Drei Tage zuvor, am 28. Januar 2019, verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen den staatlichen Ölkonzern PDVSA — Venezuelas mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Außenminister Mike Pompeo begründete den Schritt damit, das "illegitime" Maduro-Regime an der weiteren Plünderung der venezolanischen Vermögenswerte zu hindern.
BELEGT Bereits seit August 2017 hatten mehrere Executive Orders (13808, 13827, 13835) den Zugang der venezolanischen Regierung und PDVSAs zu US-Finanzmärkten schrittweise abgeschnitten — neue Schuldtitel, digitale Währungen, Beteiligungsverkäufe. Nach einer Analyse des Congressional Research Service stürzte die Ölförderung nach der Verordnung vom August 2017 mit mehr als dreifacher Geschwindigkeit der vorherigen zwanzig Monate ab.
BELEGT Nach der Guaidó-Anerkennung übernahm die venezolanische US-Tochtergesellschaft CITGO im Februar 2019 formal die Trennung von PDVSA, um den US-Sanktionen zu entsprechen; die Nationalversammlung unter Guaidó setzte einen neuen CITGO-Vorstand ein. Kontrolle über die PDVSA-Vermögenswerte in Venezuela selbst blieb bei Maduro, während Guaidós Verwaltung als Rechtseigentümerin von im Ausland transferierten Geldern und gekauften Gütern anerkannt wurde.
EXTRAPOLATION Die ehemalige UN-Sonderberichterstatterin Alfred de Zayas schätzte Anfang 2020 mehr als 100.000 sanktionsbedingte Todesfälle. Diese Zahl stammt aus einer UN-Mandatsposition, ist aber methodisch umstritten und wird von anderen Quellen nicht in dieser Höhe bestätigt — sie sollte als eine Einschätzung unter mehreren behandelt werden, nicht als feststehender Fakt.
BELEGT Unabhängig von der genauen Opferzahl ist die Größenordnung des wirtschaftlichen Einbruchs gut dokumentiert: Ein Ökonom der University of Texas (Jorge Piñón) ordnete einen Teil der Lieferengpässe an Karibikstaaten primär dem Missmanagement PDVSAs zu, nicht den Sanktionen — was zeigt, dass in der Fachdiskussion beide Ursachenstränge (Sanktionen und hausgemachte Misswirtschaft) nebeneinander diskutiert werden.
OFFEN Das genaue Verhältnis zwischen sanktionsbedingtem und selbstverschuldetem Anteil am wirtschaftlichen Niedergang Venezuelas lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht abschließend quantifizieren; hierzu bestehen fachlich begründete, gegensätzliche Positionen.
BELEGT Vizepräsident Mike Pence forderte im April 2019 vor dem UN-Sicherheitsrat, Venezuelas UN-Vertretung neu zu akkreditieren und Guaidó als legitimen Repräsentanten anzuerkennen. Die US-Regierung bereitete eine entsprechende Sicherheitsratsresolution vor und warb aktiv um deren Unterstützung durch andere Mitgliedstaaten. Gleichzeitig sicherte Trump mehreren karibischen Staaten, die Guaidó statt Maduro anerkannten (Bahamas, Dominikanische Republik, Haiti, Jamaika, St. Lucia), zusätzliche Investitionen zu.
Die 1989 für die Panama-Invasion entwickelte Rechtskonstruktion zur gewaltsamen Entfernung eines ausländischen Staatsoberhaupts bildet laut deklassifizierten Dokumenten von Januar 2026 die juristische Grundlage der 2026 durchgeführten "Snatch"-Operation gegen Maduro. Der direkte Bogen von der Anerkennung eines Gegenpräsidenten (Guaidó 2019) über wirtschaftliche Erdrosselung (Sanktionen) bis zur physischen Entfernung des amtierenden Staatschefs (2026) ist Thema des abschließenden Teils dieser Serie.
Offen bleibt: Wie hätte sich die venezolanische Wirtschaft ohne die 2017–2019 verhängten Sanktionen entwickelt — angesichts der bereits zuvor sinkenden Ölförderung unter Maduro? Und in welchem Umfang haben die eingefrorenen Auslandsvermögen (Gold in London, CITGO, Monómeros) der venezolanischen Bevölkerung je wieder zugutekommen können?