BELEGTAm 3. Februar 2025 schrieb Elon Musk auf X einen Satz, der zum Symbol einer ganzen Ära wurde: "We spent the weekend feeding USAID into the wood chipper." Innerhalb weniger Wochen wurde eine 63 Jahre alte Behörde mit 10.000 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von rund 43 Milliarden US-Dollar faktisch zerschlagen.
Die Rechtfertigung dafür war laut: Geldwäsche, Kondome in Gaza, Millionengehälter für Funktionäre, Zahlungen an Terrorgruppen. Was von diesem Getöse übrig bleibt, wenn man es mit Gerichtsakten, Prüfberichten und unabhängigen Faktenchecks abgleicht, ist Gegenstand dieses Artikels. Fakten und Quellen stehen nebeneinander — Bewertung bleibt bei der Leserin, dem Leser.
"We spent the weekend feeding USAID into the wood chipper." — Elon Musk, X, 3. Februar 2025
BELEGTInnerhalb weniger Tage wurden 60 der ranghöchsten Karrierebeamten von USAID beurlaubt, kurz darauf die überwiegende Mehrheit der übrigen rund 10.000 Mitarbeiter. Der Zugriff auf E-Mail- und interne Systeme wurde gekappt — teils ohne Zustimmung der eigenen politischen Führung der Behörde, wie der damalige oberste Gesundheitsbeamte der Behörde, Nicholas Enrich, in seinem Buch "Into the Wood Chipper" dokumentiert.
BELEGTDas "Development Experience Clearinghouse" — ein über Jahrzehnte aufgebautes Archiv mit rund 230.000 Berichten, Studien und Auswertungen — wurde eliminiert. Interne E-Mails wurden laut Enrich automatisch mit dem Vermerk "Sensitive But Unclassified" versehen — was Anfragen nach dem Freedom of Information Act erschwert hätte, die die Vorgänge um die Zerschlagung hätten aufklären können.
Parallel zur Zerschlagung häuften sich öffentliche Behauptungen über angebliche Missstände. Der Faktencheck im Einzelnen:
| Behauptung | Status |
|---|---|
| USAID habe 50 Mio. USD für Kondome in Gaza ausgegeben | WIDERLEGTohne jeden Beleg vorgebracht |
| USAID sei "Geldwäsche in linke Organisationen" | WIDERLEGTRepost ohne Quellenangabe |
| Ex-USAID-Chefin Samantha Power habe 23 Mio. USD verdient | WIDERLEGTbelegtes Gehalt: 183.100 USD/Jahr |
| Mitarbeiter erhielten "Kickbacks", seien "Fraudsters" | OFFENkeine Namen, keine Fälle genannt |
| Treasury habe Zahlungen an Terrorgruppen autorisiert | OFFENnie mit konkretem Fall unterlegt |
BELEGTMusk selbst räumte im Weißen Haus ein: "Some of the things that I say will be incorrect. Nobody's going to bat 1.000." — als Reaktion auf die Nachfrage eines Reporters zur unbelegten Kondom-Behauptung.
BELEGTAuch die von DOGE selbst veröffentlichte "Wall of Receipts" hielt einer unabhängigen Prüfung nicht stand. Eine Wirtschaftsexpertin des Manhattan Institute, ehemalige Chefökonomin eines republikanischen Senators, kam nach eigener Prüfung zu folgendem Schluss:
"I have not found any legitimate evidence of fraud in the spending that Elon Musk has highlighted." — Jessica Riedl, Manhattan Institute, PBS NewsHour
Konkrete Fehler in den eigenen "Savings"-Angaben, die von mehreren Medien unabhängig voneinander aufgedeckt wurden:
EXTRAPOLATIONDer einzige Fall mit belastbarer Substanz betrifft Afghanistan: Ein — mittlerweile aus dem Netz genommener — Bericht des Generalinspekteurs für den Wiederaufbau Afghanistans (SIGAR) hatte bereits 2023/24 unter der Vorgängerregierung festgestellt, dass rund 10,9 Mio. USD aus von USAID und dem Außenministerium finanzierten Hilfsorganisationen indirekt an die Taliban gelangt sein könnten. Dieser Fall war also vor DOGE bekannt — er wurde nicht durch die Zerschlagung "aufgedeckt".
BELEGTIm Februar 2026 ordnete US-Bundesrichter Theodore Chuang an, dass sowohl Musk als auch Beamte des Außenministeriums unter Eid zu ihrer Rolle bei der Zerschlagung aussagen müssen. Chuang begründete dies unter anderem damit, dass es "keine Alternative" gebe, da die Kläger — anonyme ehemalige USAID-Mitarbeiter — über Dokumente allein keine ausreichende Aufklärung erhalten könnten.
OFFENJuristen sind sich uneins, wie weit Musks tatsächliche Entscheidungsmacht formal reichte. Rechtswissenschaftler John Yoo argumentierte, die Einordnung Musks als bloßer "presidential advisor" könne ihm rechtliche Absicherung verschaffen; ein anderer Jurist, Josh Blackman, hielt dagegen, dass Musk keine substantielle eigene Autorität besessen habe, solange formal ein Regierungsbeamter den "Cancel"-Knopf drückte.
Hier ist die Quellenlage am stärksten umstritten — und am wichtigsten, sauber zu trennen.
OFFENDie genaue Kausalkette zwischen dem Wegfall einzelner Programme und konkreten Todesfällen lässt sich epidemiologisch nur modellhaft schätzen, nicht individuell beweisen — das gilt in beide Richtungen: weder für die Millionen-Schätzungen noch für Musks Gegenbehauptung, wonach die Sterblichkeit in Afrika sogar gesunken sei. Für letztere Behauptung fand sich in der Recherche keine unterstützende Evidenz; die verfügbaren Einzeldaten (z. B. Zimbabwe) zeigen das Gegenteil.
BELEGTDOGE endete zum selbstgesetzten Termin 4. Juli 2026. Musk selbst bilanzierte das Projekt zuvor nur als "a little bit successful" und erklärte, er würde ein solches Projekt nicht wieder übernehmen. Das ursprüngliche Versprechen von 2 Billionen USD Einsparung wurde um Größenordnungen verfehlt.
Kein Sturm im Wasserglas — sondern zwei getrennte Phänomene, die im öffentlichen Getöse verschmolzen wurden. Die Zerschlagung selbst ist gerichtlich dokumentiert und in ihrer Kompetenzüberschreitung belegt. Die angeblich "aufgedeckten" bizarren Geldflüsse dagegen sind größtenteils unbelegte Behauptungen, die einer Prüfung nicht standhielten. Das Getöse war lauter als die tatsächliche Beweislage für Betrug — während die dokumentierten Konsequenzen der Zerschlagung selbst leiser verhandelt wurden, als es ihrem Ausmaß entspricht.