Wenn Aktivistinnen und Aktivisten sich auf Straßen festkleben oder Gemälde attackieren, wird regelmäßig gefragt, wer das eigentlich bezahlt. Ein Teil der Antwort ist gut dokumentiert, ein anderer Teil kursiert nur als unbelegte Behauptung. Dieser Artikel trennt beides — mit Fokus auf zwei tatsächlich verschiedene Netzwerke: den Climate Emergency Fund (finanziert vor allem die "Letzte Generation") und die separate Spenderstruktur von Extinction Rebellion.
Der Climate Emergency Fund (CEF) wurde 2019 gegründet und finanziert nach eigenen Angaben "Recruitment, Training und Weiterbildung" von Gruppen des zivilen Ungehorsams — darunter Just Stop Oil, Letzte Generation und Climate Defiance, verbunden im internationalen A22-Netzwerk.
Über einen gemeinnützigen Verein namens "Wandelbündnis" können Mitglieder der Letzten Generation angestellt und Materialkosten steuerlich abgesetzt werden — auch für Kosten, die bei rechtlich umstrittenen Aktionen entstehen. Dadurch lassen sich mittlerweile "Berufsaktivisten" bzw. Vollzeit-Protestler finanzieren.
Ein dpa-Faktencheck fand keine Belege für die verbreitete Behauptung, die Letzte Generation werde direkt mit deutschen Steuergeldern unterstützt. Weder die Gruppe selbst noch unabhängige Recherchen bestätigen eine staatliche Finanzierung. Auch die deutsche Extinction Rebellion bestreitet, Gelder vom CEF zu erhalten, und spricht nur von Kleinspenden im dreistelligen Bereich.
Extinction Rebellion (XR), gegründet 2018 in London, finanziert sich nach eigenen Angaben zu einem erheblichen Teil über Crowdfunding. Ein 2019 bekannt gewordenes internes Finanzierungsdokument der Organisation, über das internationale Medien berichteten, nannte unter anderem die Open Society Foundations von George Soros als einen von mehreren institutionellen Geldgebern — der genaue Spendenbetrag war in dem Dokument geschwärzt. Weitere genannte Geldgeber in diesem Dokument waren europäische und US-amerikanische Klimastiftungen wie die European Climate Foundation und die Tides Foundation.
Für eine direkte Finanzierung von Bill Gates an Protestgruppen des zivilen Ungehorsams gibt es keine dokumentierte Grundlage. Gates ist über den Investmentfonds Breakthrough Energy (mitgegründet mit u.a. Soros und Bloomberg) im Bereich Klimatechnologie aktiv — das ist jedoch Risikokapital für Unternehmen, keine Förderung von Aktivismus, und muss redaktionell klar getrennt betrachtet werden.
Ebenso nicht belegbar: die verbreitete Behauptung, prominente Klimaaktivistinnen wie Luisa Neubauer oder Greta Thunberg verfügten selbst über ein Millionenvermögen aus dem Elternhaus. Nach den zugänglichen Quellen (u.a. Wikipedia, Der Spiegel) arbeitete Neubauers Mutter im Pflegebereich; eine entfernte, aber nicht vermögensrelevante Verwandtschaft zur Reemtsma-Familie besteht über die inzwischen geschiedene Großmutter. Belastbare Zahlen zu einem persönlichen Vermögen beider Aktivistinnen liegen nicht vor — kursierende Schätzungen widersprechen sich in den einschlägigen Quellen um ein Vielfaches.
Warum beziffert die Letzte Generation die genaue Höhe der CEF-Zuwendung bis heute nicht, obwohl sie ansonsten Transparenz betont?
Welche Rolle spielt die steuerliche Konstruktion über das "Wandelbündnis" bei der Finanzierung rechtlich umstrittener Aktionen?
Warum wurde der Spendenbetrag der Open Society Foundations im XR-Dokument geschwärzt — und ist er inzwischen an anderer Stelle offengelegt worden?
Wie unabhängig sind A22-Netzwerk-Gruppen tatsächlich voneinander, wenn sie sich denselben Fördertopf teilen?