BELEGT Am 19. August 1953 wurde der demokratisch gewählte iranische Ministerpräsident Mohammad Mossadegh in einem von CIA und britischem Geheimdienst orchestrierten Putsch gestürzt. Sechzig Jahre lang bestritt Washington offiziell jede Beteiligung. 2013, zum 60. Jahrestag, veröffentlichte die CIA selbst Dokumente, die das Gegenteil belegen.
Dieser Artikel folgt der Kette von der Ölverstaatlichung 1951 über den Putsch bis zur SAVAK-Diktatur — und zeigt, warum viele Historiker die Ereignisse von 1979 nicht ohne 1953 erklären.
Nach seiner Wahl 1951 verstaatlichte Mossadegh die Anglo-Iranian Oil Company (AIOC, heute BP) — eine britische Gesellschaft, die jahrzehntelang den Großteil der iranischen Ölgewinne einbehalten hatte. Die Nettogewinne der AIOC zwischen 1945 und 1950 lagen fast beim Dreifachen der an Iran gezahlten Lizenzgebühren.
BELEGT Großbritannien versuchte ab November 1952 wiederholt, die USA für einen gemeinsamen Umsturz zu gewinnen — mit dem Argument, Mossadegh öffne die Tür für eine kommunistische Machtübernahme durch die Tudeh-Partei. Diese Einschätzung wird von US-eigenen Dokumenten als zentrales Motiv genannt: die Sorge, Iran könne "hinter den Eisernen Vorhang fallen".
Die CIA benannte die Operation intern TPAJAX (Operation Ajax), MI6 nannte ihre Beteiligung Operation Boot. Laut einem 1954 verfassten internen CIA-Bericht (dem sogenannten "Wilber-Report", benannt nach dem Planer Donald N. Wilber) war das erklärte Ziel:
BELEGT Zur Umsetzung reiste CIA-Agent Kermit Roosevelt Jr. — Enkel Theodore Roosevelts — unter dem Decknamen "James Lockwood" nach Teheran. Dokumentierte Methoden laut CIA-eigenen Akten:
BELEGT Der erste Putschversuch am 15./16. August 1953 scheiterte: Mossadegh erfuhr vom Plan, ließ die Verschwörer verhaften, der Schah floh nach Rom. Die CIA-Zentrale in Langley funkte daraufhin an Roosevelt:
BELEGT Roosevelt ignorierte den Abbruchbefehl eigenmächtig. Am 19. August ließ er Zahedi öffentlich auf einem Panzer auftreten, bezahlte weitere Straßenmobs — binnen neun Stunden kippte die Lage. Bei den Kämpfen starben zwischen 200 und 300 Menschen. Mossadegh wurde verhaftet, später wegen Hochverrats zu drei Jahren Haft verurteilt und verbrachte den Rest seines Lebens unter Hausarrest.
BELEGT General Fazlollah Zahedi wurde als neuer Ministerpräsident eingesetzt und säuberte die Regierung systematisch von Mossadegh-Anhängern. Der Schah, nun ohne demokratisches Gegengewicht, regierte 25 Jahre – gestützt auf den mit US-Hilfe aufgebauten Geheimdienst SAVAK, der Dissidenten überwachte, folterte und Opposition jeder Couleur unterdrückte.
OFFEN Wie stark der Klerus 1953 tatsächlich durch US-/UK-Zahlungen mobilisiert wurde, ist teils noch durch Schwärzungen in britischen Akten verdeckt — einige Dokumente bleiben trotz der 2013er-Freigabe klassifiziert. Auch die genaue Kausalstärke zwischen 1953 und der Radikalisierung 1979 wird in der Forschung unterschiedlich gewichtet: Manche Historiker sehen den Putsch als zentralen Auslöser des antiwestlichen Ressentiments, andere betonen zusätzlich innenpolitische Faktoren der 1970er-Jahre (Ölboom-Ungleichheit, Repression durch den Schah selbst).
Donald N. Wilber, "The Battle for Iran" (CIA-interner Bericht, 1954, freigegeben 2000/2013) — National Security Archive, George Washington University · CNN Politics (19.08.2013): "In declassified document, CIA acknowledges role in '53 Iran coup" · NPR (01.09.2013): "Declassified Documents Reveal CIA Role In 1953 Iranian Coup" · Foreign Policy (20.06.2017): "64 Years Later, CIA Finally Releases Details of Iranian Coup" · National Security Archive (März 2018): freigegebenes britisches Memo zu Zahlungen an iranische Geistliche · Wikipedia, Artikel "1953 Iranian coup d'état" (Stand 2026), als Aggregator mit Verweisen auf Primärquellen.