Die ersten drei Teile dieser Serie zeigten, wie sich Macht über Universitäten und Internate konzentriert. Dieser Teil widmet sich dem Mechanismus, der diese Konzentration von Generation zu Generation weiterreicht: der bevorzugten Zulassung von Bewerbern, deren Eltern oder Großeltern dieselbe Universität besucht haben — bekannt als "Legacy Admissions". Anders als bei Skull and Bones oder den Elite-Internaten handelt es sich hier nicht um ein informelles Netzwerk, sondern um eine offizielle, in Zulassungsrichtlinien dokumentierte Praxis.
BELEGT Legacy-Präferenz bezeichnet die bevorzugte Behandlung von Bewerbern aufgrund familiärer Verbindung zu Absolventen einer Institution. Fast drei Viertel der US-amerikanischen Forschungsuniversitäten und nahezu alle Liberal-Arts-Colleges gewähren solche Präferenzen. Historisch reicht die Praxis in die 1920er-Jahre zurück — eingeführt, wie mehrere Quellen dokumentieren, um Studienplätze für "White Anglo-Saxon Protestants" zu sichern, nachdem jüdische, katholische und asiatischstämmige Bewerber zunehmend um Studienplätze konkurrierten.
BELEGT Mehrere unabhängig erhobene Datensätze zeigen ein konsistentes Muster: Legacy-Bewerber werden an Elite-Universitäten mit zwei- bis sechsfach höherer Wahrscheinlichkeit angenommen als Nicht-Legacy-Bewerber.
| Universität | Legacy-Annahmequote | Gesamtquote | Zeitraum |
|---|---|---|---|
| Yale | 25 % | 6 % | Class of 2023 |
| Princeton | 28 % | 5,7 % | 2022 |
| Pennsylvania | 30 % | 7,4 % | Class of 2024 |
| Harvard (Gerichtsakten) | 33,6 % | 5,9 % | Students for Fair Admissions v. Harvard, 2023 |
| Princeton (historisch) | 41,7 % | 9,2 % | 2009 |
BELEGT Der prozentuale Anteil von Legacy-Studierenden an den Jahrgängen selbst liegt an Ivy-League-Universitäten bei rund 10–15 %. Eine 2019 veröffentlichte Studie des National Bureau of Economic Research (Peter Arcidiacono) fand, dass 43 % der zugelassenen Harvard-Studierenden in die Kategorie "ALDC" fielen — Athleten, Legacies, Kinder von Großspendern ("Dean's/Director's List") oder Kinder von Universitätsangestellten. Bei ethnischen Minderheiten unter den Harvard-Zulassungen lag dieser Anteil bei unter 16 %.
BELEGT Die bislang umfassendste wissenschaftliche Untersuchung zu diesem Thema stammt von den Ökonomen Raj Chetty, David Deming und John Friedman, veröffentlicht 2025 im Quarterly Journal of Economics unter dem Titel "Diversifying Society's Leaders? The Determinants and Causal Effects of Admission to Highly Selective Private Colleges". Die New York Times fasste eine frühere Version der Analyse 2023 mit der Überschrift zusammen, dass sehr großer Reichtum an Elite-Colleges faktisch selbst als Qualifikationsmerkmal wirkt — gestützt auf Steuerdaten und anonymisierte Zulassungsdaten mehrerer Elite-Universitäten.
Die Studie zeigt: Bei gleicher akademischer Qualifikation (SAT/ACT-Score) werden Bewerber aus den einkommensstärksten Familien systematisch häufiger zugelassen als Bewerber aus der Mittelschicht — ein Effekt, der sich über Legacy-Status, Athletik-Förderung ("Recruited Athletes", oft in Sportarten, die überproportional von wohlhabenden Familien praktiziert werden) und subjektive Bewertungskriterien in den Zulassungsverfahren erklären lässt.
BELEGT Seit den 2010er-Jahren haben mehrere Institutionen Legacy-Präferenzen abgeschafft: Johns Hopkins University (2014), Pomona College (2017), Amherst College (2021), Wesleyan University (2023) sowie MIT und Carnegie Mellon (die Legacy nie berücksichtigten). Bis 2024 hatten vier US-Bundesstaaten — Colorado, Maryland, Virginia und Kalifornien — Legacy-Zulassungen an ihren Universitäten per Gesetz verboten. Ein parteiübergreifender Gesetzesvorschlag ("Merit-based Educational Reforms and Institutional Transparency Act") wurde 2023 im US-Kongress eingebracht, um Legacy-Präferenzen bundesweit zu verbieten — bislang ohne Verabschiedung.
BELEGT Die Ivy-League-Universitäten selbst haben in ihren offiziellen Datensätzen (Common Data Set, Abschnitt C7) den Stellenwert von Legacy zuletzt von "wichtig" auf "wird berücksichtigt" herabgestuft — eine Abschwächung, aber keine Abschaffung. Georgetown und die University of Notre Dame gehören zu den Institutionen, die Legacy laut aktuellen Common-Data-Set-Meldungen weiterhin als "wichtig" einstufen.
EXTRAPOLATION Aus den Zahlen lässt sich nicht ableiten, dass jede einzelne Legacy-Zulassung unqualifiziert wäre — Studien wie die von Chetty et al. weisen ausdrücklich darauf hin, dass Legacy-Bewerber im Schnitt vermögender und an teureren Schulen vorbereitet sind, was einen Teil, aber nicht die gesamte Differenz erklärt. Nach Kontrolle akademischer Qualifikation bleibt laut Arcidiacono ein signifikanter, nicht durch Leistung erklärbarer Vorteil von rund 45 Prozentpunkten auf der internen Bewertungsskala Harvards bestehen — dieser Restwert ist der eigentliche Beleg für einen strukturellen, nicht leistungsbezogenen Mechanismus.
Wo die Serie bislang informelle Netzwerke (Skull and Bones) und frühkindliche Sozialisation (Elite-Internate) dokumentierte, zeigt dieser Teil den formalisiertesten Mechanismus der Machtreproduktion: eine offizielle, in Zulassungsstatuten verankerte Regel, die den Zugang zu denselben Institutionen sichert, die in Teil 1 und 2 als Kaderschmieden für Präsidenten und Eliten identifiziert wurden. Der nächste Teil der Serie verlässt die Zulassungsebene und untersucht, wohin die Absolventen dieser Institutionen später gelangen: in die Vorstandsetagen der Fortune-500-Unternehmen.
Wenn eine Universität einem Bewerber mit reichen, gebildeten Eltern eine zwei- bis sechsfach höhere Zulassungschance einräumt als einem gleich qualifizierten Bewerber ohne diese Herkunft — ist das noch ein Auswahlverfahren nach Leistung, oder bereits ein System der Selbstverewigung, das sich lediglich den Anschein von Leistungsauswahl gibt?