BELEGT Seit der Festnahme Nicolás Maduros am 3. Januar 2026 (siehe Teil 6) befindet sich Kuba im schärfsten Konflikt mit den USA seit der Kubakrise 1962. Was als Kollateraleffekt der Venezuela-Operation begann, hat sich zu einer eigenständigen Eskalationsspirale entwickelt: Ölblockade, eine historische Anklage gegen einen ehemaligen Staatschef, Kriegsschiffe vor der Küste — und eine US-Regierung, die offen über eine "Übernahme" der Insel spricht.
BELEGT Kuba bezog historisch rund 100.000 Barrel Öl täglich aus Venezuela, zuletzt durch die wirtschaftliche Krise Venezuelas nur noch etwa 35.000 Barrel. Mit der Festnahme Maduros und der Übernahme der venezolanischen Ölproduktion durch die USA am 3. Januar 2026 versiegte auch dieser Rest vollständig. Bei der Militäroperation kamen zudem 32 kubanische Sicherheitskräfte ums Leben, die im Dienst des venezolanischen Präsidenten standen — ein direktes Blutopfer Kubas für die Verbündetschaft mit Caracas.
BELEGT Die letzte reguläre Öllieferung vor der faktischen Blockade erfolgte am 9. Dezember 2025. Ab Februar 2026 begannen die USA gezielt, Öltanker Richtung Kuba abzufangen — darunter auch Lieferungen der mexikanischen Pemex — und drohten Drittstaaten mit Strafzöllen, sollten sie Kuba beliefern. Die New York Times bezeichnete dies als die erste wirksame Kuba-Blockade seit der Kubakrise von 1962.
BELEGT Die rechtliche Argumentation, mit der die Trump-Regierung im Januar 2026 Maduro festnehmen ließ, geht auf ein Rechtsgutachten des Office of Legal Counsel zurück, dessen Grundprinzip erstmals 1989 im Kontext der Noriega-Invasion in Panama formuliert wurde (siehe Teil 4: US-Präsidenten können ausländische Staatschefs, die als Drogenkriminelle eingestuft werden, per Militäroperation festnehmen lassen, unabhängig von deren völkerrechtlichem Immunitätsstatus). EXTRAPOLATION Die Anklage gegen Raúl Castro — mit dem Vorwurf des Flugzeugabschusses statt Drogenhandels — folgt einer anderen rechtlichen Konstruktion, dient aber erkennbar demselben Zweck: eine juristische Handhabe zu schaffen, die im Bedarfsfall eine Festnahme oder Auslieferung ermöglichen würde. Der Kongressabgeordnete Carlos Gimenez äußerte gegenüber CNN, die Anklage gebe den USA "die rechtliche Grundlage, um [Castro] aus Kuba zu entfernen".
BELEGT Nach übereinstimmenden Berichten (u.a. Deutsche Welle, Wikipedia-Dokumentation) sucht die US-Regierung explizit nach einer kubanischen Entsprechung zu Delcy Rodríguez — jener venezolanischen Vizepräsidentin, die nach der Entführung Maduros das Land im Sinne der neuen Verhältnisse "ruhig hielt", ohne selbst gestürzt zu werden. US-Botschafter Mike Hammer bestätigte die Suche nach einer solchen Übergangsfigur, ohne konkrete Namen zu nennen.
BELEGT Ende Februar 2026 sprach Trump vom Ziel einer "friedlichen Übernahme" Kubas. Die kubanische Regierung bestritt zunächst direkte Gespräche und sprach lediglich von "normaler zwischenstaatlicher Kommunikation" — eine Position, die im März revidiert wurde, als Díaz-Canel bestätigte, Raúl Castro sei selbst in die Gespräche involviert.
BELEGT Der UN-Menschenrechtskommissar warnte am 9. Juni 2026 öffentlich, dass "Kinder sterben", während US-Sanktionen Kuba an den Rand drängen. Der Resident Coordinator der Vereinten Nationen in Kuba, Francisco Pichon, sprach bereits im März von einer drohenden "humanitären Krise". Zwei landesweite Stromausfälle in einer einzigen Woche im Mai 2026 legten das Land phasenweise vollständig lahm.
BELEGT US-Außenminister Marco Rubio bestreitet öffentlich einen Zusammenhang zwischen Blockade und Stromausfällen und macht ausschließlich kubanisches Missmanagement verantwortlich. Der Faktencheck-Dienst PolitiFact ordnet dies als irreführend ein: Kubas Energiesystem war strukturell bereits geschwächt, doch die Blockade habe die Krise nachweislich verschärft — laut dem Kuba-Experten William LeoGrande (American University) suchten kubanische Offizielle aktiv nach Öllieferanten, fänden aber wegen der angedrohten US-Sanktionen niemanden.
BELEGT Neben der Nimitz Carrier Strike Group meldete die New York Times im Mai 2026 eine verstärkte Überwachung Kubas durch US-Spionageflugzeuge und Drohnen. Trump erklärte gegenüber Reportern in Florida, Rubio "kümmere sich" um Kuba: "Es mag eine freundliche Übernahme sein, es mag keine sein. Es würde eigentlich keine Rolle spielen, weil sie wirklich auf dem letzten Loch pfeifen." Die Äußerung fiel während des zweiten Kriegs zwischen Israel/USA und Iran — ein zeitliches Zusammentreffen, das die Kubakrise medial zeitweise überlagerte.
OFFEN Kubanische Berichte (NPR, März 2026) beschreiben Mobilisierungsdirektiven an Reservisten in Havanna-Vororten seit Mitte Januar — ein Rückgriff auf das seit den 1990er Jahren bestehende "Zero-Option"-Verteidigungskonzept Fidel Castros. Ob dies eine reale Verteidigungsvorbereitung oder primär symbolische Abschreckung darstellt, lässt sich von außen nicht verifizieren.
Wird die angeklagte Person eines 30 Jahre zurückliegenden Vorfalls tatsächlich vor einem US-Gericht erscheinen — oder dient die Anklage ausschließlich als Verhandlungsdruckmittel?
Was geschieht, wenn keine kubanische "Delcy Rodríguez" gefunden wird?
Wie weit lässt sich eine Bevölkerung durch Energie-Entzug in Verhandlungsbereitschaft drängen, bevor die humanitäre Lage selbst zum politischen Faktor wird?