BELEGT Abu Bakr al-Baghdadi, der spätere selbsternannte Kalif des IS, saß 2004 als Gefangener in Camp Bucca im Südirak ein — einem US-geführten Lager, das zeitweise über 20.000 Häftlinge gleichzeitig beherbergte und von ehemaligen Insassen selbst als "Dschihad-Universität" bezeichnet wurde.
BELEGT Der eigentliche Gründer der IS-Vorläuferorganisation, der Jordanier Abu Musab al-Zarqawi, war der CIA bereits vor der Irak-Invasion 2003 bekannt. Ein CIA-Team unter Analystin Nada Bakos überwachte sein Terrorcamp im Nordirak und schlug einen Luftschlag vor. Die Bush-Regierung lehnte den Angriff ab — aus Sorge, er könnte die Kriegsvorbereitung stören.
BELEGT Im Mai 2003 löste die US-Besatzungsbehörde (Coalition Provisional Authority) die gesamte irakische Armee auf und schloss zugleich alle Baath-Partei-Mitglieder von Staatsämtern aus ("De-Baathifizierung"). Damit wurden über eine halbe Million bewaffneter, ausgebildeter Soldaten quasi über Nacht arbeitslos gemacht.
BELEGT Ein erheblicher Teil der späteren IS-Führungsriege bestand nachweislich aus ehemaligen Offizieren der aufgelösten Saddam-Armee, die ihre militärische Ausbildung und Organisationsstruktur direkt in den IS einbrachten.
BELEGT Über 100.000 Gefangene durchliefen während der gesamten US-Besatzungszeit Camp Bucca. Der dortige Kompaniekommandant James Skylar Gerrond äußerte später selbst: "Many of us at Camp Bucca were concerned that instead of just holding detainees, we had created a pressure cooker for extremism." Al-Baghdadi soll dort laut dem irakischen Terrorismusexperten Hisham al-Hashimi "die dschihadistische Ideologie aufgesogen und sich unter den großen Namen etabliert" haben.
BELEGT Zarqawi gründete 2004 "Al-Qaida im Irak" (AQI) und wurde 2006 durch einen US-Luftschlag getötet. Sein Nachfolger Abu Ayyub al-Masri rief den "Islamischen Staat im Irak" (ISI) aus. Nach dessen Tod 2010 übernahm al-Baghdadi. Als 2011 der syrische Bürgerkrieg ausbrach — befeuert unter anderem durch die im vorherigen Artikel dokumentierte Operation Timber Sycamore — nutzte die Organisation das Machtvakuum, um sich nach Syrien auszudehnen. 2013 kehrte sie als "ISIS" verstärkt in den Irak zurück, eroberte 2014 Mosul, und al-Baghdadi rief das Kalifat aus.
OFFEN Wie stark einzelne US-Militär- oder Geheimdienstentscheidungen (Camp-Bucca-Betrieb, De-Baathifizierung, unterlassener Zarqawi-Luftschlag) im Vergleich zu strukturellen Faktoren (sunnitische Marginalisierung, schiitisch dominierte Nachfolgeregierung, syrischer Bürgerkrieg) für den IS-Aufstieg verantwortlich waren, wird in der Forschung unterschiedlich gewichtet — praktisch alle zitierten Experten (Kilcullen, Bakos, CIA-Insider) stimmen aber darin überein, dass die US-Besatzungspolitik ein wesentlicher Faktor war, nicht nur ein Randaspekt.
PBS FRONTLINE: "Who Was the Founder of ISIS?", "The Secret History of ISIS", "Nada Bakos: How Zarqawi Went From 'Thug' To ISIS Founder" · The Intercept (2018): "Blowback: How ISIS Was Created by the U.S. Invasion of Iraq" · Lawfare (2023): "ISIS Was Born In An American Detention Facility" · CNN (2016): "Here's how ISIS was really founded" · Joby Warrick, "Black Flags: The Rise of ISIS" (Doubleday, 2015) · Newsweek (2023): "How the U.S. Invasion of Iraq Is Still Ruining the World 20 Years Later" · James P. Pfiffner (2010), Intelligence & National Security.