Am 27. Juni 1954 trat der demokratisch gewählte guatemaltekische Präsident Jacobo Árbenz Guzmán per Radioansprache zurück und bat um Asyl in der mexikanischen Botschaft. Vorausgegangen war eine monatelange verdeckte Operation der CIA mit dem Codenamen PBSUCCESS — die erste ihrer Art in Lateinamerika und Vorlage für spätere Operationen, darunter die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht 1961. BELEGT Die CIA selbst veröffentlichte 1994 eine interne historische Aufarbeitung der Operation, verfasst vom hauseigenen Historiker Nicholas Cullather; große Teile der operativen Akten wurden 1997 und 2003 deklassifiziert.
BELEGT Árbenz hatte 1952 mit dem Dekret 900 eine Agrarreform eingeleitet, die brachliegendes Großgrundbesitzland enteignete und gegen Entschädigung an Landlose verteilte. Betroffen war in erheblichem Umfang die United Fruit Company, ein US-Konzern mit ausgedehntem Bananenland in Guatemala.
EXTRAPOLATION Historiker wie Stephen Schlesinger und Stephen Kinzer ("Bitter Fruit", Harvard University Press) ordnen diese personellen Überschneidungen als zentralen Erklärungsfaktor für das amerikanische Engagement ein. Die genaue Gewichtung zwischen wirtschaftlichem Interesse und Kalter-Kriegs-Kommunismusfurcht bleibt in der Forschung umstritten — die CIA-eigene Darstellung von 1994 betont primär die Furcht vor kommunistischer Unterwanderung, kritische Historiker die ökonomische Motivlage.
BELEGT Die Operation wurde von CIA-Vizedirektor für Operationen Frank Wisner geleitet, das Feldkommando lag beim früheren Colonel Albert Haney, der zuvor die CIA-Station in Südkorea geführt hatte. Hauptquartier war ein getarnter Gebäudekomplex in Opa-locka, Florida, mit dem Codenamen "Lincoln". Die CIA schloss vor der Invasion Militärabkommen mit Nicaragua und Honduras, um schwere Waffen frei transportieren zu können, und richtete Trainingslager in beiden Ländern ein.
BELEGT Zu den 1997 und 2003 deklassifizierten Dokumenten gehören Listen von Regierungsmitgliedern, die im Falle des Putsches liquidiert werden sollten, sowie eigens erstellte Handbücher zu Attentatstechniken. Der CIA-Historiker Gerald K. Haines dokumentierte 1995 in einer eigenen Studie ("CIA and Guatemala Assassination Proposals 1952–1954") das Ausmaß, in dem gezielte Tötungen als Operationsmethode erwogen wurden. Das undatierte Trainingsdokument "A Study of Assassination" — vom National Security Archive öffentlich gemacht — beschreibt verschiedene Tötungstechniken und wurde nach Einschätzung der Archivare vermutlich für den Einsatz gegen guatemaltekische Kommunisten erstellt.
OFFEN Ob und in welchem Umfang diese Handbücher tatsächlich zur Anwendung kamen oder primär als Drohkulisse und Vorbereitung dienten, lässt sich aus den bislang freigegebenen Akten nicht abschließend klären. Dieselben Attentatsmanuale wurden nach Angaben der Archivare in späteren CIA-Operationen wiederverwendet.
BELEGT Der argentinische Exilant Ernesto "Che" Guevara war Augenzeuge des Sturzes von Árbenz und zog daraus Lehren, die er nach der kubanischen Revolution 1959 umsetzte — unter anderem die vollständige Auflösung der vorrevolutionären Streitkräfte. Als dasselbe CIA-Personal 1960/61 eine vergleichbare Operation gegen Fidel Castro plante — mit Guatemala selbst als Trainingsbasis für die Exilkämpfer — scheiterte der Versuch an der Schweinebucht: Ohne loyale Armee gab es diesmal niemanden, der Castro zum Rücktritt hätte drängen können.
EXTRAPOLATION Der spätere Bürgerkrieg in Guatemala (1960–1996) mit hunderttausenden Toten, überwiegend indigener Zivilbevölkerung, wird von Historikern in eine Kontinuitätslinie mit dem 1954 installierten Militärregime unter Castillo Armas gestellt. Diese Einordnung ist historiografisch breit anerkannt, stellt aber eine langfristige Ursachenzuschreibung dar und keinen direkt dokumentierten Einzelbeleg.
Guatemala 1954 gilt in der historischen Forschung als früher Prototyp für das Muster, das zwei Jahrzehnte später in der Operation Condor institutionalisiert wurde: verdeckte Aktion statt offener Intervention, psychologische Kriegsführung, enge Abstimmung zwischen CIA und lokalen Militärs, sowie ökonomische Interessen US-amerikanischer Unternehmen als Hintergrundfaktor. Eine direkte organisatorische Verbindung zwischen PBSUCCESS und Condor ist nicht dokumentiert — die Parallelen liegen auf der Ebene der angewandten Methode, nicht einer durchgehenden Struktur.
Offen bleibt: Wie viele der in den 1997/2003 freigegebenen Akten enthaltenen Namen auf den Attentatslisten wurden je öffentlich bekannt gemacht — und was verbirgt sich noch in den Teilen des Archivs, die weiterhin geschwärzt sind?