Keine Geheimsekte, sondern eine der größten und öffentlich aktivsten Lobbyorganisationen der USA — mit einer erklärten Endzeittheologie, die sich gegen jede Zwei-Staaten-Lösung stellt.
BELEGT Christians United for Israel (CUFI) ist nach eigenen Angaben mit mehr als 10 Millionen Mitgliedern die größte pro-israelische Organisation der Vereinigten Staaten — nach Einschätzung mehrerer Fachjournalisten mittlerweile einflussreicher als das traditionsreiche AIPAC. Gegründet wurde sie 2006 vom texanischen Pastor John Hagee. Ihr politisches Gewicht beruht nicht auf Verschwörung, sondern auf offen bekundeter Theologie, Massenmitgliedschaft und regelmäßigem, dokumentiertem Lobbying im Kongress.
BELEGT CUFI wurzelt im sogenannten prämillennialistischen Dispensationalismus, einer Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen protestantischen Strömung. Zentrale Glaubenssätze:
BELEGT Hagee selbst hat diese Position mehrfach öffentlich dargelegt, unter anderem in seinem Bestseller "Jerusalem Countdown" (2005). Der damalige ADL-Direktor Abraham Foxman kommentierte gegenüber der Zeitung Forward, es gehe dieser Bewegung um das eigene christliche Heil, nicht um jüdisches Heil — eine Einschätzung, die auch von jüdischen Beobachtern selbst kritisch aufgegriffen wird.
BELEGT CUFI veranstaltet jährliche "Washington Summits" mit Auftritten hochrangiger Politiker — dokumentiert sind u. a. Reden bzw. Videobotschaften von Benjamin Netanyahu, sowie Auftritte von Mike Pence, Mike Pompeo und Nikki Haley bei CUFI-Veranstaltungen. Nach dem iranischen Raketenangriff auf Israel im Oktober 2024 organisierte CUFI einen kurzfristigen "Emergency Fly-In" nach Washington; laut Medienberichten sprach dabei auch der damalige House Speaker Mike Johnson vor der Organisation.
BELEGT Hagee gehörte zu den evangelikalen Führungsfiguren, die die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem unter der Trump-Administration unterstützten und dort öffentlich auftraten. Bei der Eröffnungszeremonie 2018 hielt Hagee den Schlusssegen.
EXTRAPOLATION Hagee bestreitet öffentlich, dass seine politische Haltung aus seiner Endzeittheologie folge. Mehrere Historiker (u. a. Matthew Avery Sutton, Washington State University) und Journalisten ordnen dies anders ein: In Hagees eigenen Predigten und Büchern sei die eschatologische Begründung durchgehend präsent, auch wenn er sie in politischen Kontexten zurückhält.
BELEGT CUFI-nahe Positionen lehnen einen palästinensischen Staat konsequent ab. Der Historiker Sutton beschreibt die Haltung so: In der idealen Vorstellung dieser Bewegung solle es keine Zwei-Staaten-Lösung geben — jüdische Kontrolle solle sich auf das gesamte Land erstrecken, das einst unter König David gestanden habe.
BELEGT CUFI ist innerhalb der USA selbst umstritten. Im Juli 2025 protestierte die interreligiöse Gruppe "Interfaith Action for Palestine" während eines CUFI-Lobbytags in Washington; mehrere Aktivisten wurden festgenommen. Kritiker – darunter christliche und jüdische Geistliche – werfen CUFI vor, mit ihrer Theologie politischen Entscheidungsträgern eine religiöse Rechtfertigung für Krieg und Besatzung zu liefern.
Der entscheidende Unterschied zu Erzählungen über eine verdeckt operierende "Endzeitsekte": Hier gibt es keine geheimen Strukturen, sondern eine öffentlich finanzierte, öffentlich auftretende, öffentlich Position beziehende Massenorganisation. Ihre Theologie steht in Büchern zum Verkauf, ihre Lobbyarbeit findet in Pressemitteilungen und dokumentierten Kongressbesuchen statt, ihre Kritiker sind ebenso öffentlich aktiv. Das ist eine strukturelle Machtfrage — keine Verschwörung.
Wie verändert eine Theologie, die den eigenen Untergang der Mehrheit einer anderen Religionsgemeinschaft als notwendigen Schritt zum eigenen Heil versteht, die Handlungsanreize einer der einflussreichsten Außenpolitik-Lobbys der Welt — und wieviel davon findet sich in den öffentlich gewordenen Abstimmungsmustern des US-Kongresses wieder?