dunkelfeld.info Das grüne Kartell · Teil 1 / 3
Serie: Das grüne Kartell

Sie haben es
unterschrieben.

Wie Hunderte Journalisten sich schriftlich zur Gesinnungspflege verpflichtet haben — und es Pressefreiheit nennen.

dunkelfeld.info | Juni 2026 | Medienanalyse | Lesedauer ca. 8 Min.

Es gibt Verschwörungen, die im Verborgenen bleiben. Und dann gibt es diese hier: öffentlich, stolz präsentiert, mit Logos versehen, auf Websites dokumentiert. Über 450 Journalisten in Deutschland und Österreich haben eine Charta unterzeichnet. Darin steht, was sie berichten sollen — und wie. Wer das eine Verschwörung nennt, bekommt zur Antwort: Nein, das ist ein Kodex. Als ob das besser wäre.

Befund

Der Kodex, den niemand Gleichschaltung nennen darf

2021 gründete sich das „Netzwerk Klimajournalismus". Klingt unschuldig. Ist es nicht. Zwei Jahre später, im Mai 2023, veröffentlichte das Netzwerk den sogenannten Klima-Kodex — ein Dokument, das Redaktionen zur Unterzeichnung einlädt und ihre Berichterstattung auf eine bestimmte Linie verpflichtet.

450+ Journalisten haben die Klimacharta unterschrieben
2021 Gründung des Netzwerks Klimajournalismus
0 Gegenstimmen in unterzeichnenden Redaktionen dokumentiert

Unterzeichnet haben unter anderem die APA — Österreichs größte Nachrichtenagentur, deren Meldungen von Dutzenden Medien täglich ungeprüft übernommen werden. Dazu der ORF-nahe Medienapparat, Tageszeitungen, Branchenmagazine. Die Dominoeffekte einer solchen Verpflichtung durch eine Nachrichtenagentur sind kaum zu überschätzen.

"Der Klima-Kodex ist kein Eingriff in die redaktionelle Unabhängigkeit."

— Netzwerk Klimajournalismus Österreich, Selbstbeschreibung, 2023

Man beachte den Satz. Er steht im Kodex selbst. Als Schutzbehauptung. Wer einen Eingriff in die redaktionelle Unabhängigkeit verneinen muss, hat in der Regel gerade einen vorgenommen.

Struktur

Das Netzwerk der Verpflichteten

So verbreitet sich eine koordinierte Sprachregelung durch den Medienbetrieb — nicht durch Zensur, sondern durch freiwillige Selbstverpflichtung.

Propagationsweg · Klima-Kodex-Netzwerk
KLIMA-KODEX 450+ Unterzeichner APA Nachrichtenagentur AT ORF-Netzwerk Öffentlich-rechtlich AT Netzwerk KJ DE + AT, gegr. 2021 Tageszeitungen Std, Heute, Falter … ÖRR Deutschland WDR, ZDF-Terli … Leser · Zuschauer Empfangen Einheitslinie unterzeichnen verbreiten
Analyse

Aktivismus mit Presseausweis

Das Netzwerk lässt wenig Interpretationsspielraum über seine eigentliche Natur. Sein Handbuch „Klimajournalismus" formuliert das Ziel explizit: Journalisten sollen übers Klima so berichten, „dass Menschen zum Handeln motiviert werden." Das ist kein journalistisches Ziel. Das ist ein PR-Briefing.

Dokumentiert · Netzwerk Klimajournalismus DE

Das Netzwerk bietet ein Handbuch, das Journalisten helfen soll, „übers Klima so ins Gespräch zu kommen, dass Menschen zum Handeln motiviert werden."

Zusätzlich stellt es eine kuratierte Expertenliste bereit — mit Personen, von denen garantiert Aussagen „im Sinne der Leitlinien" zu erhalten sind.

Kurz: ein Redaktionsleitfaden mit vorausgewählten Zitatlieferanten.

Noch deutlicher wird es beim Blick auf die Gründer. Ein bekannter Mitbegründer des Netzwerks, Raphael Thelen, hat den Journalismus inzwischen verlassen — und klebt sich für die „Letzte Generation" auf Straßen. Eine weitere Mitgründerin wird in ihrer Biographie beim Tagesspiegel als „Campaignerin und Journalistin" bezeichnet. In dieser Reihenfolge.

"Klimajournalismus ist kein Aktivismus."

— Klima-Kodex, Artikel 1 sinngemäß — als wäre die Verneinung nicht selbst das Geständnis

Wer in einem Kodex eigens festschreiben muss, was etwas nicht ist, hat in der Regel gerade beschrieben, was es ist.

Chronologie

Wie es dazu kam

2019
„Covering Climate Now" — Medien weltweit, darunter taz, Stern und Spiegel, schließen sich einer Initiative an, die Klimaberichterstattung koordiniert maximieren soll. Übermedien nennt es offen: eine Homogenisierung der Berichterstattung.
2019
Die taz veröffentlicht einen Leitfaden für klimagerechte Sprache. Der Stern produziert eine Titelgeschichte in Kooperation mit Fridays for Future. Die Grenze zwischen Redaktion und Aktivismus wird fließend.
2021
Gründung Netzwerk Klimajournalismus in Deutschland und Österreich. Selbstbeschreibung: Vernetzung und „klimakrisenfit machen" des Journalismus.
2023
Der Klima-Kodex wird veröffentlicht. APA, Heute, Wiener Zeitung, DATUM unterzeichnen. Chefredakteur der APA auf dem Podium bei der Präsentation. Der ORF schickt seine Nachhaltigkeitsbeauftragte.
2024
Weitere Unterzeichner. Pocket Guides für Schnellberichterstattung. Psychologische Leitfäden, wie Klimaberichterstattung „Akzeptanz von Klimaschutz erhöhen" kann. Journalismus als Verhaltenssteuerungsinstrument.
Das Paradox

Sie schaden dem, was sie schützen wollen

Das Bitterste an dieser Geschichte ist nicht der Verrat am Journalismus. Es ist, dass die Strategie nachweislich kontraproduktiv ist — für den Klimaschutz selbst.

Forschungsbefund (Medienwissenschaft): Je dramatischer der Klimawandel dargestellt wird, desto eher wenden sich Menschen vom Thema ab. Immer neue Horrorszenarien erzeugen Handlungsohnmacht, nicht Handlungsbereitschaft.

Soziologen nennen es den „Doom-Effekt": Apokalyptische Rahmung schützt nicht — sie lähmt.

Das ist keine rechte Gegenerzählung. Das ist ein Befund aus der Kommunikationsforschung, dokumentiert in Fachzeitschriften, zitiert in der Bundeszentrale für politische Bildung. Wer dauerhaft mit Untergang argumentiert, verliert sein Publikum — nicht an die Fakten, sondern an die Erschöpfung.

Die Journalisten des Kodex wissen das. Einige thematisieren es intern. Und machen trotzdem weiter. Denn der Kodex ist kein journalistisches Instrument mehr. Er ist ein Loyalitätssignal innerhalb eines Milieus.

"Wer den Verdacht auslöst, Risiken des Klimawandels relativieren zu wollen, zieht Kritik auf sich. Wer Unsicherheiten ignoriert, hat nichts zu befürchten."

— Bundeszentrale für politische Bildung, Analyse Klimajournalismus

Das ist die eigentliche Mechanik: Nicht Lüge. Nicht Zensur. Sondern asymmetrisches Risiko. Kritische Fragen kosten Karriere. Alarmismus nicht. Das Ergebnis ist keine Verschwörung im Hinterzimmer — es ist das rationale Verhalten von Menschen in einem System mit falschen Anreizen.

Einordnung

Was das bedeutet

Eine Verschwörung braucht keine geheimen Treffen. Sie braucht nur Dokumente, die niemand liest. Einen Kodex, der stolz auf der Website steht und trotzdem nie in der Tagesschau thematisiert wird. Ein Netzwerk, das sich selbst „Klimajournalismus" nennt und damit jeden Kritiker zum Klimaleugner macht, bevor er den Mund aufgemacht hat.

Über 450 Journalisten haben unterschrieben. Die APA verbreitet es täglich in Hunderte Redaktionen. ZDF-Meteorologe Özden Terli schrieb das Vorwort zum Handbuch. Und niemand sagt: Das ist ein Problem.

Wir sagen es.

Nächster Teil der Serie

Teil 2: Wind- und Solarwüsten — Das Geschäftsmodell hinter der grünen Erzählung. Subventionen, Lobbystrukturen und was der ehemalige Greenpeace-Chef dazu sagt.

Teil 3: Was macht Klimapropaganda mit Kindern? — Von der Atomkriegsangst der 80er bis zur Eco-Anxiety heute. Ein Muster, das sich wiederholt.

"Sie haben es unterschrieben. Es steht auf ihrer Website. Und trotzdem heißt es Journalismus."

Teil 1: Der Kodex Teil 2: Wind & Solar (demnächst) Teil 3: Kinder & Propaganda (demnächst)
Impressum · Datenschutz