Wann wurde aus einer Behörde eine Institution des Vertrauens — und warum sollte man das hinterfragen?
Die Gründer
Institutionen tragen Namen. Namen tragen Geschichte.
Robert Koch (1843–1910) — Namensgeber RKI
Robert Koch gilt als Begründer der modernen Bakteriologie. Er identifizierte den Erreger der Tuberkulose (1882), des Milzbrands und der Cholera. 1905 erhielt er den Nobelpreis für Medizin. Das sind unbestrittene wissenschaftliche Leistungen.
Ab 1905 unternahm Koch im Auftrag des Deutschen Reichs Forschungsreisen nach Ostafrika zur Bekämpfung der Schlafkrankheit. Was dort geschah, hat das RKI selbst als „das dunkelste Kapitel seiner Laufbahn" bezeichnet.
Koch hat Verbrechen in Auftrag gegeben, für die er sich nie rechtfertigen musste.
Philipp Osten, Leiter des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin Hamburg — Tagesspiegel, 2020
Koch ließ Patienten auf den Sese-Inseln im Viktoriasee gegen ihren Willen mit dem hochgiftigen Mittel Atoxyl behandeln. Viele der inhaftierten Patienten erblindeten, jeder zehnte starb. Koch selbst beschrieb diese Zeit als „glückliche Tage" und „ungestörte Forschungsbedingungen".
Der politische Auftrag ist dokumentiert: Koch sollte die Arbeitskraft der einheimischen Bevölkerung für die koloniale Wirtschaft sicherstellen. Koch forderte laut historischen Quellen die Einrichtung von „Concentration Camps, wie sie die Engländer nennen".
Seit 2020 gibt es Forderungen von Historikern nach einer Umbenennung des Instituts. Das RKI trägt den Namen bis heute.
Paul Ehrlich (1854–1915) — Namensgeber PEI
Paul Ehrlich erhielt 1908 den Nobelpreis für Medizin. Mit der Arsenverbindung Salvarsan entwickelte er das erste gezielte Chemotherapeutikum — das erste wirksame Mittel gegen Syphilis und Grundlage aller modernen Antibiotika.
Die klinische Prüfung von Salvarsan umfasste nach zeitgenössischen Quellen Versuche mit den Insassen von Irrenanstalten. Ein informiertes Einverständnis existierte nicht.
Ehrlich war Jude. In der NS-Zeit wurde sein Werk unterdrückt, sein Name aus deutschen Publikationen getilgt. Das Paul-Ehrlich-Institut trägt seinen Namen seit 1947 — als bewusste Rehabilitierung nach dem Nationalsozialismus.
Die Leopoldina (gegr. 1652) — 370 Jahre, drei Regime
Gegründet 1652 in Schweinfurt — älteste dauerhaft existierende Wissenschaftsakademie der Welt. Seit 2008 „Nationale Akademie der Wissenschaften". Bundesfinanziert (80% Bund, 20% Sachsen-Anhalt).
Die Frage, ob die Leopoldina in ihrer 370-jährigen Geschichte „sauber" war, lässt sich mit einem Wort beantworten: nein. Die Institution überlebte das Heilige Römische Reich, das Kaiserreich, die Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, die DDR und die Bundesrepublik. Jede Epoche hinterließ Spuren.
Leopoldina-Präsident Emil Abderhalden: Wissenschaft, NS und ein Jahrzehnte-Betrug
Emil Abderhalden (1877–1950) war von 1932 bis 1950 Präsident der Leopoldina — der am längsten amtierende Präsident der Akademiegeschichte. Sein Name steht für zwei parallele Skandale.
Die Abwehrfermente: Ab 1909 behauptete Abderhalden, spezifische Enzyme nachgewiesen zu haben, die bei immunologischen Reaktionen entstehen. Die „Abderhaldensche Reaktion" wurde jahrzehntelang in der klinischen Diagnostik angewandt — für Schwangerschaftstests, für die Diagnose psychischer Erkrankungen, für die Unterscheidung zwischen „arischen" und „nichtarischen" Blutproben im Dritten Reich.
Der Zeitzeuge Otto Westphal beschrieb Abderhaldens Werk gegenüber der Historikerin Ute Deichmann: „The whole Abwehrfermente story was a fraud from beginning to end." Ob vorsätzlicher Betrug oder wissenschaftliche Selbsttäuschung ist bis heute Gegenstand der Forschung. Eindeutig belegt ist: Wer Abderhaldens Ergebnisse nicht reproduzieren konnte, riskierte seine Karriere.
Die NS-Verbindung: Abderhaldens Theorie wurde von Otmar von Verschuer und Josef Mengele für Menschenversuche genutzt — um einen Bluttest zur Unterscheidung von „Ariern" und „Nicht-Ariern" zu entwickeln. Abderhalden selbst lieferte 1940 Blutproben von Zwillingen an Verschuer. Gleichzeitig war er als Leopoldina-Präsident für die Streichung jüdischer Mitglieder mitverantwortlich.
NS-Zeit: Streichungen und Ausmaß
Im Oktober/November 1938 erging ein Erlass des Reichserziehungsministers zur konsequenten Anwendung der Rassegesetze. In der Leopoldina erfolgte mehr als die Hälfte der Streichungen jüdischer Mitglieder am 30. November 1938 — ohne diese selbst zu verständigen.
DDR: Überleben durch Anpassung
Die Leopoldina überlebte auch die DDR — als einzige gesamtdeutsche Wissenschaftsakademie mit Sitz in der SBZ/DDR. Wie das gelang, ist Teil der unabhängigen Studie, die die Leopoldina 2010 selbst in Auftrag gab.
Die Studie untersuchte, wie die Akademie durch die Systembrüche des 20. Jahrhunderts navigierte — ohne die Forschungsergebnisse hier vollständig wiedergeben zu können.
Aufarbeitung: Eigen-Initiative mit Grenzen
Die Leopoldina hat ihre NS-Geschichte mehrfach in Auftrag gegeben aufzuarbeiten — 1991 erste Abbitte durch Präsident Parthier, 2009 Gedenkstele, 2021 laufendes Forschungsprojekt. Das Aufarbeitungsprojekt 2021 ist noch nicht abgeschlossen.
RKI im Nationalsozialismus: Eigene Aufarbeitung
Das RKI ist die einzige der betrachteten Institutionen, die ihre NS-Geschichte aktiv und extern aufarbeiten ließ — finanziert aus eigenen Mitteln, durchgeführt von unabhängigen Historikern der Charité Berlin.
Das Forschungsprojekt 2006–2008
Was die Forschung ergab, formulierte das RKI selbst:
Vor Projektbeginn war bekannt, dass einzelne RKI-Wissenschaftler an inhumanen Menschenversuchen in Konzentrationslagern und psychiatrischen Einrichtungen beteiligt waren. Durch das Forschungsprojekt kam eine Reihe neuer Namen und Taten ans Licht. Deutlich wurde vor allem die damalige fast vollständige Durchdringung des RKI mit der NS-Ideologie — forschungsthematisch und personell.
RKI-Broschüre „Erinnerungszeichen", erinnerungszeichen-rki.de (Primärquelle)
RKI-Präsident Gildemeister: Treibende Kraft bei KZ-Versuchen
Die schwerwiegendste Einzelfeststellung betrifft den damaligen Institutsleiter direkt:
Eugen Gildemeister, der damalige Präsident des Robert Koch-Instituts, gehörte zu den Entscheidungsträgern und kann durchaus als treibende Kraft der Experimente bezeichnet werden. Gildemeister stimmte nicht nur für die Infektionsversuche mit einkalkuliertem tödlichem Ausgang, sondern stellte auch das zur künstlichen Infektion notwendige Erregermaterial zur Verfügung.
RKI-Broschüre „Erinnerungszeichen" — Eigenaussage des RKI (Primärquelle)
Zwölf Wissenschaftler und Mitarbeiter wurden identifiziert, die 1933 wegen ihrer jüdischen Herkunft aus dem Institut entlassen wurden.
Was das bedeutet
Das RKI trägt den Namen eines Mannes, dessen afrikanische Menschenversuche das Institut selbst als „dunkelste Kapitel" bezeichnet. Und sein NS-zeitlicher Präsident wird vom Institut selbst als „treibende Kraft" bei Todesexperimenten beschrieben. Beide Feststellungen stammen aus institutionseigenen Primärquellen.
Aus dem Versagen geboren
Das heutige Robert Koch-Institut und das Paul-Ehrlich-Institut existieren in ihrer gegenwärtigen Form, weil eine Vorgängerbehörde versagte — so gravierend, dass ihre Auflösung unausweichlich wurde.
Das Bundesgesundheitsamt und der HIV-Blutskandal
Das Bundesgesundheitsamt (BGA) war die zentrale Gesundheitsbehörde der Bundesrepublik. In den frühen 1980er Jahren war bekannt, dass HIV durch Blut und Blutderivate übertragen werden kann — und dass Hämophile (Bluter) besonders gefährdet waren, weil ihre Gerinnungsfaktoren aus dem Blut von 2.000 bis 5.000 Spendern hergestellt wurden.
Dem tödlichen Drama war ein Jahrzehnt des Missmanagements in der obersten deutschen Gesundheitsbehörde vorausgegangen.
Die Konsequenz: Zerschlagung 1994
Am 9. Oktober 1993 kündigte Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer auf einer Sondersitzung des Bundestags-Gesundheitsausschusses die Auflösung des BGA an. Zum 1. Juli 1994 hörte das BGA auf zu existieren.
Aus seiner Zerschlagung entstanden vier neue Institute: das Robert Koch-Institut, das Paul-Ehrlich-Institut, das BfArM und das BgVV.
Eine Umbenennung ist keine Reform.
Die institutionellen Mechanismen, die das Versagen des BGA ermöglichten — nachgeordnete Behörde des Gesundheitsministeriums, politische Weisungsgebundenheit, fehlende externe Kontrolle — wurden in den Nachfolgeinstitutionen strukturell fortgeschrieben.
Wiederkehrende Muster
STIKO: Interessenkonflikte
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut berät die Bundesländer in Impffragen.
Der Rest unterhielt dokumentierte Verbindungen: Mitgliedschaft in von Impfstoffherstellern unterstützten Gremien, gemeinsame Impfstudien mit Herstellern, bezahlte Vorträge, Publikationen in teilweise herstellerfinanzierten Medien.
Schweinegrippe 2009: Pandemiestufe 6
2009 rief die WHO die Pandemiestufe 6 aus — die höchste Stufe. RKI und andere Institutionen kommunizierten entsprechende Warnungen. Das Ergebnis:
Wäre die Pandemiestufe 6 nicht ausgerufen worden, dann hätten wir nichts davon bemerkt. Und wir hätten gesagt: Das war aber jetzt ein milder Verlauf.
Prof. Dr. Ulrich Keil, Epidemiologe Universität Münster — ARD-Dokumentation
Leopoldina: Lockdown-Empfehlungen 2020/21
Die Leopoldina veröffentlichte mehrere Ad-hoc-Stellungnahmen, die direkt in politische Entscheidungen zu Lockdowns und Schulschließungen einflossen.
RKI-Protokolle 2024
Nach einem OVG-Urteil 2024 wurden interne Protokolle des RKI-Krisenstabes veröffentlicht. Sie dokumentieren Diskrepanzen zwischen internen Lageeinschätzungen und öffentlicher Kommunikation.
Ausgewählte Personen
Positionen — vorher, während, nachher. Keine Kommentare.
| Zeitraum | Position / Funktion |
|---|---|
| 1977–1991 | Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin-Adlershof |
| 1993–2017 | Professor Humboldt-Universität Berlin, Physikalische und Theoretische Chemie |
| 1998 | Heirat Angela Merkel |
| 2005–2021 | Ehefrau: Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland |
| 2007 | Aufnahme Leopoldina, Sektion Chemie |
| 2007– | Kuratoriumsmitglied Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) |
| 2011– | Kuratoriumsmitglied Friede-Springer-Stiftung |
| 2017– | Emeritus / Senior Researcher Humboldt-Universität |
Angela Merkel öffentlich über Sauer: „ein wirklich guter Ratgeber"
| Zeitraum | Position / Funktion |
|---|---|
| 2008– | Direktor, CAS Key Laboratory of Pathogenic Microbiology, Peking |
| 2010– | Visiting Professor, University of Oxford |
| 2011–2017 | Stellvertretender Generaldirektor, China CDC |
| 2017–2022 | Generaldirektor, China CDC, Peking |
| 2018– | Vizepräsident, National Natural Science Foundation of China (NSFC) |
| Okt. 2019 | Einziger China-Vertreter bei Event 201 (Johns Hopkins / Gates-Stiftung / WEF) |
| Jan. 2020 | Einer der ersten Forscher in Wuhan |
| Juli 2020 | Aufnahme Leopoldina — während laufender Pandemie |
| Zeitraum | Position / Funktion |
|---|---|
| –2020 | Professor für Makrosoziologie, Universität Kassel |
| 14.03.2020 | Anruf von Staatssekretär Markus Kerber (BMI) — Beitritt zur Taskforce |
| März 2020 | Mitautor BMI-Strategiepapier „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen" |
| 2020–2022 | Fortlaufende Regierungsberatung Corona |
| Aug. 2020 | Gründungsdirektor documenta-Institut Kassel |
| 2022 | Fachaufsatz: „Aus dem Maschinenraum der Beratung" — Soziologie, Heft 3 |
| Jan. 2024 | Öffentliche Aussage, Universität Graz (s.u.) |
Wir mussten ein Modell finden, um Folgebereitschaft herzustellen, das so ein bisschen wissenschaftsähnlich ist.
Heinz Bude, Podiumsdiskussion Universität Graz, 24. Januar 2024
Man wird Zwang ausüben müssen auf Leute, die sagen: 'Ich hab aber andere Informationen.'
Heinz Bude, 2024
Leopoldina-Führung: Wer war wann
| Amtszeit | Name | Fachrichtung | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| 2010–2020 | Jörg Hacker | Mikrobiologe | 2 Amtszeiten |
| 1. März 2020 | Gerald Haug | Paläoklimatologe, ETH Zürich / Max-Planck | Amtsantritt = WHO-Pandemienotstand |
| 1. März 2025 | Bettina Rockenbach | Verhaltensökonomin, Uni Köln | Erste Frau an der Spitze |
Vizepräsidenten — Wechsel September 2025
| Amt | Neu (ab 2025) | Vorgänger |
|---|---|---|
| Vizepräsident | Thomas Lengauer (Mathematik/Informatik) | Robert Schlögl (Chemiker, 5 Jahre) |
| Vizepräsident | Thomas Boehm (Immunbiologie) | Ulla Bonas (Pflanzengenetik, seit 2015) |
| Präsidium | Ferdi Schüth (Chemie/Katalyse) | — |
| Vizepräsident Medizin | Thomas Krieg (bis 2029 bestätigt) | — |
Strukturelle Beobachtung
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 1. März 2020 | Haug übernimmt Präsidentschaft — selber Monat wie WHO-Pandemienotstand |
| Juli 2020 | Georg Fu Gao (China CDC) wird Leopoldina-Mitglied — während laufender Pandemie |
| 2020/21 | Leopoldina gibt Lockdown-Empfehlungen — Haug als Präsident |
| Feb. 2025 | Haug gibt Präsidentschaft ab — kurz nach Lauterbachs BIÖG-Erlass |
| März 2025 | Rockenbach übernimmt |
| Feb. 2026 | Haug wird Vorsitzender Rat für Nachhaltige Entwicklung |
Das BMI-Panikpapier
März 2020: Das Bundesinnenministerium (Minister: Horst Seehofer, CSU) ließ ein vertrauliches Strategiepapier ausarbeiten. Titel: „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen". Klassifizierung: VS – Nur für den Dienstgebrauch. Am 1. April 2020 durch FragDenStaat veröffentlicht.
Offiziell bestätigte Autorenliste
| Name | Institution |
|---|---|
| Prof. Dr. Boris Augurzky | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung |
| Dr. Hubertus Bardt | Institut der Wirtschaft Köln |
| Prof. Dr. Heinz Bude | Universität Kassel (Soziologie) |
| Roland Döhrn | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung |
| Prof. Dr. Michael Hüther | Institut der Wirtschaft Köln |
| Otto Kölbl | Universität Lausanne (Germanistik-Doktorand) |
| Dr. Maximilian Mayer | University of Nottingham China (UNNC) |
| Prof. Dr. Christoph M. Schmidt | RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung |
Otto Kölbl wurde in der Welt als „Mao-Fan" bezeichnet; er verfasste insbesondere Passagen zur „Schockwirkung" und Angstkommunikation. Die Bundesregierung distanzierte sich von diesem Abschnitt — ohne die Veröffentlichung zurückzuziehen.
Laut Bundesregierung handelte es sich um Wissenschaftler, die „auf Anregung aus dem BMI und pro bono in eigener inhaltlicher Verantwortung" tätig wurden.
Lauterbachs Erbe: Das BIÖG
Februar 2025, zwei Wochen vor der Bundestagswahl: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach schafft ein neues Institut.
Das ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten von BZgA und RKI. Minister Lauterbach will am Parlament vorbei Tatsachen schaffen.
Tino Sorge, gesundheitspolitischer Sprecher CDU/CSU — Deutsches Ärzteblatt, 11.02.2025
1994: BGA wird nach Skandal zerschlagen — neue Behörden entstehen. 2025: BZgA wird per Ministererlass umbenannt. Die Strukturfrage stellt sich erneut.
Gesamtchronologie
| Jahr | Ereignis | Institution | Status |
|---|---|---|---|
| 1891 | Gründung Kaiserliches Gesundheitsamt (RKI-Vorläufer) | RKI-Vorläufer | BELEGT |
| 1905–07 | Kochs Menschenversuche mit Atoxyl in Ostafrika — Erblindungen, Tote | Koch / RKI-Namensgeber | BELEGT |
| 1909 | Abderhalden (Leopoldina-Präsident ab 1932) publiziert nicht reproduzierbare „Abwehrfermente"-Theorie | Abderhalden / Leopoldina | BELEGT |
| 1910 | Salvarsan-Tests mit Insassen psychiatrischer Anstalten | Ehrlich / PEI-Namensgeber | BELEGT |
| 1922 | Leonor Michaelis muss Deutschland verlassen nach Kritik an Abderhaldens Ergebnissen | Leopoldina-Umfeld | BELEGT |
| 1932 | Abderhalden wird Leopoldina-Präsident | Leopoldina | BELEGT |
| 1933 | RKI: 12 Mitarbeiter wegen jüdischer Herkunft entlassen | RKI | BELEGT |
| 1938 | Leopoldina streicht 94 Mitglieder aus politischen/rassischen Gründen | Leopoldina | BELEGT |
| 1940 | Abderhalden liefert Zwillingsblut an Verschuer für Rassendiagnostik-Versuche | Leopoldina / Abderhalden | BELEGT |
| 1941 | RKI-Präsident Gildemeister: treibende Kraft bei KZ-Infektionsversuchen mit einkalkuliertem Tod | RKI | BELEGT |
| 1938 | Leopoldina streicht jüdische Mitglieder per NS-Erlass — ohne Benachrichtigung | Leopoldina | BELEGT |
| 1947 | Umbenennung in Paul-Ehrlich-Institut als Rehabilitierung | PEI | BELEGT |
| 1982 | BGA informiert über HIV-Risiko für Bluter — keine Maßnahmen | BGA | BELEGT |
| 1993 | HIV-Blutskandal publik — 1.500 Infizierte, 1.000+ Tote | BGA | BELEGT |
| 1994 | BGA aufgelöst → RKI + PEI als Nachfolger gegründet | RKI / PEI | BELEGT |
| 2007 | Joachim Sauer (Ehemann Merkels) wird Leopoldina-Mitglied | Leopoldina | BELEGT |
| 2009 | Schweinegrippe: Pandemiestufe 6 — nachträglich als unverhältnismäßig bewertet | WHO / RKI | BELEGT |
| 1. März 2020 | Gerald Haug übernimmt Leopoldina-Präsidentschaft | Leopoldina | BELEGT |
| März 2020 | BMI-Panikpapier — 8 Autoren, darunter Bude und Kölbl | BMI | BELEGT |
| Juli 2020 | Georg Fu Gao (China CDC) wird Leopoldina-Mitglied | Leopoldina | BELEGT |
| 2020/21 | Leopoldina-Lockdown-Empfehlungen ohne transparente Autorenschaft | Leopoldina | BELEGT |
| 2021 | Leopoldina startet NS-Aufarbeitungsprojekt (VolkswagenStiftung) | Leopoldina | BELEGT |
| 2024 | OVG-Urteil: RKI-Protokolle müssen veröffentlicht werden | RKI | BELEGT |
| Jan. 2024 | Bude öffentlich: „Folgebereitschaft durch wissenschaftsähnliches Modell" | — | BELEGT |
| 1. März 2025 | Haug übergibt an Rockenbach | Leopoldina | BELEGT |
| 13. Feb. 2025 | BIÖG per Ministererlass — 2 Wochen vor Bundestagswahl | BIÖG | BELEGT |
| Feb. 2026 | Haug wird Vorsitzender Rat für Nachhaltige Entwicklung | — | BELEGT |
Offene Fragen
Dieses Dossier endet nicht mit Antworten.
Zur Institutionsgeschichte
- Warum trägt das Robert Koch-Institut den Namen eines Mannes, dessen eigene Nachfolgebehörde dessen Vorgehen als „dunkelste Kapitel" bezeichnet?
- Wann ist eine Aufarbeitung abgeschlossen — und wer entscheidet das?
- Ist eine Behörde, die aus dem Versagen ihrer Vorgängerin entstand, strukturell in der Lage, das Versagen zu vermeiden, das jene Vorgängerin kennzeichnete?
Zur Unabhängigkeit
- Wie unabhängig ist eine nachgeordnete Bundesbehörde von dem Ministerium, dem sie nachgeordnet ist?
- Wie unabhängig ist ein Expertengremium, dessen Mehrheit dokumentierte Verbindungen zur Industrie unterhält, deren Produkte es empfehlen soll?
- Wie unabhängig ist eine Akademie, deren Empfehlungen direkt in politische Entscheidungen einfließen, wenn die Zusammensetzung der Autorengruppen nicht öffentlich kommuniziert wird?
Zur Gegenwart
- Was unterscheidet die Umbenennung des BGA in RKI und PEI 1994 von der Umbenennung der BZgA in BIÖG 2025?
- Was sind die inhaltlichen Unterschiede zwischen den internen RKI-Protokollen 2020/21 und der öffentlichen Kommunikation — und wer trägt dafür Verantwortung?
- Welche Lehren hat Deutschland aus dem HIV-Blutskandal institutionell gezogen — und sind diese Lehren strukturell verankert oder personenabhängig?
Quellenverzeichnis
Alle verwendeten Quellen sind primär oder zeithistorisch belegt. Meinungsbeiträge sind als solche gekennzeichnet.