Im letzten Artikel ging es um Forschende, die angefeindet, instrumentalisiert und teils juristisch eingeschüchtert werden. Die Frage, die dabei offenblieb: Wer steckt eigentlich hinter der organisierten Skepsis, die viele dieser Angriffe befeuert? Wer folgt der Spur des Geldes, findet ein überraschend kleines, gut vernetztes Milieu — mit einer jahrzehntealten Vorlage aus einer ganz anderen Branche.
Das Muster ist nicht neu und nicht deutsch. Die Wissenschaftshistoriker Naomi Oreskes und Erik M. Conway haben es in ihrem Buch "Merchants of Doubt" (2010) am Beispiel der US-amerikanischen Tabakindustrie beschrieben: Dieselben Experten-Netzwerke, die jahrzehntelang den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs anzweifelten, tauchten später bei sauren Regen, dem Ozonloch und schließlich beim Klimawandel wieder auf. Ein Tabak-Manager brachte die Strategie auf den Punkt: Zweifel sei das eigentliche Produkt.
Genau dieses Netzwerk-Prinzip findet sich bei EIKE, CFACT und dem amerikanischen Heartland Institute wieder — Organisationen, die sich gegenseitig Redner, Konferenzen und Reputation leihen, obwohl kaum eine von ihnen über eigene, unabhängig geprüfte Forschung verfügt.
Eine direkte, namentlich belegte Konzernfinanzierung von EIKE selbst ist nach aktueller Quellenlage nicht nachgewiesen — nur die des internationalen Umfelds (CFACT USA, Heartland Institute), mit dem EIKE personell und organisatorisch eng verbunden ist. Diese Unterscheidung ist wichtig: Wer EIKE ohne Beleg direkt als "von Exxon finanziert" bezeichnet, macht sich wegen der intransparenten deutschen Spendenregeln angreifbar. Belegbar ist die Netzwerk-Nähe — nicht der Geldfluss selbst.
Wissenschaftlicher Zweifel ist per se nichts Verwerfliches — er ist der Motor von Forschung. Das Problem entsteht dort, wo organisierte, industrienahe Netzwerke diesen Zweifel gezielt simulieren, um einen längst bestehenden wissenschaftlichen Konsens öffentlich als offen erscheinen zu lassen. Einzelne EIKE-Mitglieder mögen persönlich von ihrer Position überzeugt sein — das ändert nichts an der strukturellen Funktion, die die Organisation im Gesamtnetzwerk erfüllt.
Wer tiefer einsteigen will: Susanne Götze und Annika Joeres dokumentieren in "Die Klimaschmutzlobby" (2020) das deutsche und europäische Netzwerk aus Politik und Wirtschaft im Detail. Naomi Oreskes und Erik Conway liefern mit "Merchants of Doubt" die historische Blaupause aus der Tabak- und Ölindustrie, auf der dieses Netzwerk methodisch aufbaut.
Es gibt keine Notwendigkeit, hinter Wissenschaftsfeindlichkeit einen einzelnen großen Plan zu vermuten. Was sich belegen lässt, reicht bereits: ein kleines, international vernetztes Milieu aus Lobbyorganisationen, das sich gegenseitig Bühne, Reputation und Rhetorik leiht — mit dem einzigen Zweck, den Anschein einer wissenschaftlichen Kontroverse aufrechtzuerhalten, wo faktisch längst Konsens besteht.