Wer finanziert die "Klimalobby"? Ein Blick auf die andere Seite des Netzwerks
Wer konsequent nach dem Geld fragt, darf das nicht nur bei einer Seite tun. Wir haben das Netzwerk hinter der Klimaskeptiker-Szene offengelegt — jetzt folgt der gleiche Blick auf die Institutionen und Organisationen, die gemeinhin als "die Klimaseite" gelten. Das Ergebnis ist differenzierter, als es beide Lager gerne hätten.
Factbox — Drei völlig unterschiedliche Geldquellen
- Staatliche Grundlagenforschung: Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) — Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft — finanziert sich zur Hälfte durch den Bund, zur Hälfte durch das Land Brandenburg (rund 11 Mio. Euro Grundfinanzierung jährlich), plus eine ähnlich hohe Summe an eingeworbenen Drittmitteln im wissenschaftlichen Wettbewerb.
- Private Stiftungsfinanzierung von NGOs: Die European Climate Foundation (ECF, gegründet 2008, Sitz Den Haag) fördert Organisationen wie Greenpeace, NABU, WWF und Urgewald in Deutschland. Hauptgeldgeber sind private Stiftungen — etwa die des britischen Hedgefonds-Gründers Chris Hohn (Children's Investment Fund Foundation) und die Genfer Oak Foundation. Auch deutsches Stiftungskapital, etwa die Stiftung Mercator, ist beteiligt.
- Direkte EU-Behördenfinanzierung: Die EU-Kommission zahlte über das LIFE-Programm laut Berichten der "Welt am Sonntag" gezielt an Umwelt-NGOs für Kampagnen und Klagen gegen deutsche Unternehmen — darunter 350.000 Euro an ClientEarth für Klagen gegen Kohlekraftwerksbetreiber. Der Europäische Rechnungshof kritisierte bereits im April 2025 die mangelnde Transparenz dieser NGO-Finanzierung.
Drei Kategorien, drei Bewertungen
Genau hier liegt die Sorgfaltspflicht: Diese drei Geldquellen sind nicht dasselbe, und sie in einen Topf zu werfen wäre so unseriös wie die Fake-Prophezeiungen, die wir zuvor entlarvt haben.
- PIK: Öffentlich finanzierte Grundlagenforschung, Förderentscheidung durch die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern, wissenschaftliche Qualität durch die Leibniz-Gemeinschaft evaluiert. Das ist Wissenschaftsfinanzierung, wie sie auch für praktisch jedes andere Forschungsfeld existiert — keine "Lobby" im eigentlichen Sinn.
- European Climate Foundation: Hier wird es diskussionswürdiger. Die ECF selbst betont, keine staatlichen oder Unternehmensgelder anzunehmen — sie ist damit privat finanzierte politische Interessenvertretung, keine Wissenschaft. Personelle Verflechtungen (etwa der Wechsel eines früheren ECF-Vorstehers zwischen Bundesfinanzministerium, Weltbank, Deutscher Bank und internationalen Klimastiftungen) zeigen ein Drehtür-Muster, das man kritisch begleiten sollte — unabhängig davon, ob man das Klimaschutzziel teilt.
- EU-LIFE-Programm: Der klarste Fall. Hier hat eine staatliche Behörde mit Steuergeldern NGOs für politisch gerichtete Kampagnen bezahlt — laut Europäischem Rechnungshof intransparent und laut LIFE-Verordnung in dieser Form nicht vorgesehen. Das ist ein anderer Sachverhalt als private Stiftungsförderung: Hier zahlt die öffentliche Hand verdeckt für einseitige politische Einflussnahme.
Öffentliche Wissenschaftsfinanzierung, private Stiftungsförderung und verdeckte Behördenfinanzierung sind drei verschiedene Dinge — wer sie vermischt, betreibt keine Aufklärung, sondern Nebelkerzen.
Dangerbox — Die Verwechslungsfalle
Ein verbreiteter rhetorischer Trick besteht darin, PIK-Forschungsergebnisse mit dem Verweis auf ECF-Fördergelder zu diskreditieren — obwohl PIK nicht von der ECF finanziert wird und beide Organisationen unterschiedlichen Kategorien angehören (staatliche Wissenschaft vs. private Advocacy). Wer diese Vermischung selbst vornimmt, macht sich derselben Unredlichkeit schuldig, die man den Klimaskeptiker-Netzwerken vorwirft.
Fairnessbox
Dass eine EU-Behörde nachweislich intransparent NGOs für politische Kampagnen finanziert hat, ist ein belegter, vom eigenen Rechnungshof kritisierter Vorgang — kein Skeptiker-Narrativ. Gleichzeitig ist die zugrunde liegende Klimawissenschaft (IPCC, PIK, tausende internationale Fachpublikationen) davon unberührt: Die Kritik an einer bestimmten NGO-Finanzierungspraxis ist keine Widerlegung des wissenschaftlichen Konsenses zum menschengemachten Klimawandel. Beides muss getrennt bewertet werden.
Fazit
Konsequente cui-bono-Recherche funktioniert nur, wenn sie in beide Richtungen wirkt. Das Ergebnis hier zeigt kein Gleichgewicht im Sinne von "beide Seiten sind gleich korrupt" — sondern drei kategorial verschiedene Finanzierungsmodelle mit jeweils eigenem Transparenzproblem: intransparente Spenden bei EIKE, ein Drehtür-Netzwerk bei der ECF, und ein von der eigenen Aufsichtsbehörde gerügter Fall verdeckter Behördenfinanzierung beim EU-LIFE-Programm. Nur die staatliche Grundlagenforschung (PIK) steht vergleichsweise transparent da.
Quellen:
Deutscher Bundestag (hib): Kleine Anfrage zur Zusammenarbeit mit dem PIK, Drucksache 19/23719
service.bund.de, Wikipedia (EN): Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Finanzdaten
Wikipedia (EN): European Climate Foundation
Handelsblatt: "Grüne Lobby: Wie Klimaaktivisten Wirtschaft und Politik verändern"
Welt am Sonntag (zitiert nach Sekundärberichterstattung): EU-Kommission und LIFE-Programm-Zahlungen an Umwelt-NGOs, 2025
Europäischer Rechnungshof: Kritik an NGO-Finanzierungstransparenz, April 2025