Ein Zulieferer aus Wuhan, drei tote Säuglinge im Verdacht, und die Wochen, die zwischen Entdeckung und Rückruf lagen
BELEGT Zwischen der internen Entdeckung (Ende November) und der behördlichen Meldung (10. Dezember) liegen rund zwei Wochen. Zwischen der behördlichen Meldung und dem ersten öffentlichen Rückruf (5. Januar) liegen weitere vier Wochen.
OFFEN Ob diese Zeitspanne dem üblichen, regulatorisch vorgeschriebenen Prüfverfahren entspricht oder eine vermeidbare Verzögerung war, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Quellen nicht abschließend beurteilen.
OFFEN Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den drei untersuchten Säuglingstoden in Frankreich und der Kontamination ist laut französischem Gesundheitsministerium wissenschaftlich nicht erwiesen.
Cabio Biotech, der identifizierte Zulieferer, hat nach Angaben von SRF öffentlich nie eingeräumt, dass es Probleme mit dem betroffenen Produkt gab oder gibt. Ein geplanter Besuch des Westschweizer Radios RTS bei der Firma wurde kurzfristig abgesagt.
"Säuglingsnahrung gilt als das Kronjuwel der Lebensmittelindustrie und unterliegt noch strengeren Anforderungen." Cabio Biotech, zitiert in eigenen Geschäftsunterlagen, wiedergegeben von SRF, 11.02.2026
BELEGT Der Konzern selbst spricht in seinen Unterlagen von hohen Sicherheitsstandards – während chinesische Medien laut SRF ein Verwaltungsratsmitglied zitierten, das öffentliche Auskünfte verweigerte, und mehrere ARA-Öl-Hersteller in China Interviewanfragen ablehnten.
BELEGT Die Basler Firma Holle, die ausschließlich auf europäische ARA-Lieferanten setzt und vom Rückruf nicht betroffen ist, verzeichnet laut eigenen Angaben einen deutlichen Nachfrageanstieg – Eltern wechseln von den großen, betroffenen Marken zur mittelständischen Bio-Alternative.
BELEGT Nestlé-CEO Philipp Navratil relativierte den Reputationsschaden gegenüber Investoren mit dem Hinweis, die Kundenbeziehung im Babynahrungsgeschäft dauere ohnehin nur 6–9 Monate – der Kundenstamm erneuere sich automatisch, sobald Kinder aus dem Säuglingsalter herauswachsen.
"Die Konsumenten betreten und verlassen diese Kategorie jeden Tag." Philipp Navratil, Nestlé-CEO, zit. n. NZZ, 23.04.2026
Nestlé verzeichnete nach dem Skandal einen Umsatzeinbruch von rund 10 % im Babynahrungsgeschäft.
Warum lagen zwischen interner Entdeckung und öffentlichem Rückruf rund sechs Wochen – und wer legt fest, welche Frist in einem solchen Fall angemessen ist?
Was bedeutet es, wenn ein Konzernchef den Vertrauensverlust bei Eltern von Säuglingen mit der kurzen Verweildauer der Kundschaft relativiert?
Warum verweigert ein Zulieferer, der nach eigener Aussage höchste Sicherheitsstandards einhält, jede öffentliche Auskunft, sobald Probleme öffentlich werden?