2014 gründeten die BRICS-Staaten die New Development Bank (NDB) als erklärte Alternative zum "Washington Consensus" — der neoliberalen Kreditvergabe-Philosophie von IWF und Weltbank. Über zehn Jahre später lässt sich die Ausgangshoffnung mit der Realität abgleichen.
Die NDB sollte Entwicklungsländern Kredite ohne die als hart empfundenen Auflagen des IWF ermöglichen — schnellere Prozesse, weniger politische Bedingungen, eine Stimme für den globalen Süden. Sitz: Shanghai. Aktuelle Präsidentin: die ehemalige brasilianische Staatschefin Dilma Rousseff.
Eine Analyse von France24 (2023) kommt zu einem ernüchternden Befund: Die NDB wiederhole zunehmend dieselben Fehler wie die Institutionen, die sie ersetzen sollte — etwa bewusst vage gehaltene Zusagen und die Auslagerung von Verantwortung für Gemeinschaftsbeteiligung an die Kreditnehmer selbst. Auch die Organisation CADTM (Committee for the Abolition of Illegitimate Debt) argumentiert in einer Acht-Punkte-Analyse, dass NDB und das parallele BRICS-Währungsreserve-Instrument (CRA) keine echte Alternative zu den Bretton-Woods-Institutionen darstellen.
Ein weiterer Kritikpunkt, dokumentiert vom Politikanalysten Dingding Chen: China nutze die NDB, um eigene wirtschaftliche Interessen voranzutreiben — vergleichbar mit dem Vorwurf, die USA würden IWF und Weltbank für eigene geopolitische Ziele instrumentalisieren. Strukturell dieselbe Dynamik, nur mit anderem dominierenden Staat.
Die NDB ist kein Beleg für einen geheimen Schulterschluss zwischen West und BRICS — sie ist ein Beispiel dafür, wie ähnlich sich Institutionen entwickeln, sobald sie dieselbe strukturelle Funktion (Entwicklungsfinanzierung mit geopolitischem Einfluss) erfüllen müssen, unabhängig vom ursprünglichen Anspruch. Die Frage, ob NDB tatsächlich "auflagenfrei" bleibt oder sich dem IWF-Modell weiter annähert, ist nach aktueller Quellenlage nicht abschließend beantwortet.