Die Erzählung lautet: BRICS baut eine Alternative zum dollarbasierten Zahlungssystem, um sich der westlichen Finanzhoheit zu entziehen. Was in der öffentlichen Debatte selten auftaucht — der Westen selbst treibt parallel den Aufbau digitaler Zentralbankwährungen voran. Die Technologie ist identisch. Nur das politische Etikett unterscheidet sich.
Unter indischem Vorsitz hat die Reserve Bank of India (RBI) die Verknüpfung der Central Bank Digital Currencies (CBDCs) der BRICS-Staaten auf die Agenda des Gipfels 2026 gesetzt. Ziel: Ein Händler in Indien soll einen Lieferanten in Brasilien direkt über die jeweiligen CBDCs bezahlen können — ohne Umweg über den Dollar als Zwischenwährung.
Bemerkenswert: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) — also eine westlich dominierte Institution — hatte mBridge ursprünglich mitentwickelt, zog sich Ende 2024 aber zurück. Offizielle Begründung: Sorge, dass sanktionierte Länder wie Russland und Iran das System zur Sanktionsumgehung nutzen könnten. Das System läuft seither unabhängig weiter — mit steigendem Volumen.
BELEGTWährend BRICS-Staaten ihre CBDCs verknüpfen, entwickeln auch westliche Zentralbanken eigene digitale Währungen — die Europäische Zentralbank arbeitet am digitalen Euro, mehrere Länder pilotieren eigene Systeme. Die USA sind hier die Ausnahme: 2025 erließ die US-Regierung eine Executive Order, die Bundesbehörden die Ausgabe oder Unterstützung einer eigenen CBDC untersagt — mit Verweis auf Datenschutz- und Finanzstabilitätsrisiken.
Wichtig für die Einordnung: BRICS plant keine gemeinsame Einheitswährung. Indiens Außenminister Jaishankar erklärte im März 2025 öffentlich, es gebe innerhalb von BRICS keine einheitliche Position gegen den Dollar. Das aktuelle Projekt verknüpft bestehende nationale Digitalwährungen miteinander, ohne dass Mitgliedsstaaten ihre Geldpolitik-Souveränität aufgeben.
Beide Blöcke bauen an derselben technologischen Grundlage: zentralisiertes, programmierbares, nachverfolgbares digitales Zentralbankgeld. Der Unterschied liegt nicht im System, sondern in der politischen Verpackung — hier "Befreiung vom Dollar", dort "digitale Souveränität". Ob diese Parallelität Zufall, technologische Notwendigkeit oder etwas anderes ist, wird im Schlusskapitel des Dossiers eingeordnet.