dunkelfeld.report · dossier · kapitel 1/6
Juli 2026 | Lesedauer: ca. 7 Minuten
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Digitales Zentralbankgeld: Zwei Blöcke, ein Prinzip

Die Erzählung lautet: BRICS baut eine Alternative zum dollarbasierten Zahlungssystem, um sich der westlichen Finanzhoheit zu entziehen. Was in der öffentlichen Debatte selten auftaucht — der Westen selbst treibt parallel den Aufbau digitaler Zentralbankwährungen voran. Die Technologie ist identisch. Nur das politische Etikett unterscheidet sich.

Was BRICS aufbaut

Unter indischem Vorsitz hat die Reserve Bank of India (RBI) die Verknüpfung der Central Bank Digital Currencies (CBDCs) der BRICS-Staaten auf die Agenda des Gipfels 2026 gesetzt. Ziel: Ein Händler in Indien soll einen Lieferanten in Brasilien direkt über die jeweiligen CBDCs bezahlen können — ohne Umweg über den Dollar als Zwischenwährung.

55 Mrd. USD
Zahlungsvolumen über mBridge (Stand 2026), 95% in digitalem Yuan
245 Bio. Yuan
Transaktionsvolumen über Chinas CIPS-System 2025
Quelle Reserve Bank of India: Vorschlag zur CBDC-Verknüpfung für den BRICS-Gipfel 2026 (Modern Diplomacy, 21. April 2026). mBridge-Zahlen laut Ledger Insights, zitiert in TECHi (31. März 2026).

Bemerkenswert: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) — also eine westlich dominierte Institution — hatte mBridge ursprünglich mitentwickelt, zog sich Ende 2024 aber zurück. Offizielle Begründung: Sorge, dass sanktionierte Länder wie Russland und Iran das System zur Sanktionsumgehung nutzen könnten. Das System läuft seither unabhängig weiter — mit steigendem Volumen.

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Was der Westen parallel aufbaut

Während BRICS-Staaten ihre CBDCs verknüpfen, entwickeln auch westliche Zentralbanken eigene digitale Währungen — die Europäische Zentralbank arbeitet am digitalen Euro, mehrere Länder pilotieren eigene Systeme. Die USA sind hier die Ausnahme: 2025 erließ die US-Regierung eine Executive Order, die Bundesbehörden die Ausgabe oder Unterstützung einer eigenen CBDC untersagt — mit Verweis auf Datenschutz- und Finanzstabilitätsrisiken.

EbeneBRICS-AnsatzWestlicher Ansatz Technisches PrinzipVerknüpfte nationale CBDCs (e-Rupie, digitaler Yuan, digitaler Rubel)Digitaler Euro (in Entwicklung), diverse Pilotprojekte Erklärtes ZielUnabhängigkeit von SWIFT/DollarZahlungssouveränität gegenüber privaten Anbietern (Visa, Mastercard, US-Tech) US-PositionWird als "anti-amerikanisch" bezeichnet (US-Vertreter)Eigene CBDC per Erlass 2025 untersagt GemeinsamkeitBeide Seiten zentralisieren digitales Zentralbankgeld als strategisches Instrument
"Wir glauben, dass die Schaffung eines unabhängigen BRICS-Zahlungssystems ein wichtiges Zukunftsziel ist" — Juri Uschakow, außenpolitischer Berater des russischen Präsidenten, gegenüber TASS.
BELEGT

Die entscheidende Klarstellung

Wichtig für die Einordnung: BRICS plant keine gemeinsame Einheitswährung. Indiens Außenminister Jaishankar erklärte im März 2025 öffentlich, es gebe innerhalb von BRICS keine einheitliche Position gegen den Dollar. Das aktuelle Projekt verknüpft bestehende nationale Digitalwährungen miteinander, ohne dass Mitgliedsstaaten ihre Geldpolitik-Souveränität aufgeben.

Einordnung Die häufig kolportierte Behauptung einer "geplanten BRICS-Weltwährung" ist nach aktuellem Stand nicht durch Fakten gedeckt — es handelt sich um Interoperabilität nationaler Systeme, nicht um eine supranationale Zentralbank.
VT-NÄHE, HIER WIDERLEGT

Timeline

2024 — mBridge-Prototyp beim Kazan-Gipfel in Russland vorgestellt; BIS zieht sich später aus dem Projekt zurück.
2025 — US Executive Order verbietet Bundesbehörden die Unterstützung einer eigenen CBDC. Russland, China und die VAE testen CBDC-Brücken für Energiegeschäfte.
Januar 2026 — RBI schlägt CBDC-Verknüpfung für BRICS-Gipfel-Agenda vor.
2026 (laufend) — Ziel: Verknüpfung der Kern-CBDCs (Rubel, Yuan, Rupie) bis Ende des Jahres.

Fazit dieses Kapitels

Beide Blöcke bauen an derselben technologischen Grundlage: zentralisiertes, programmierbares, nachverfolgbares digitales Zentralbankgeld. Der Unterschied liegt nicht im System, sondern in der politischen Verpackung — hier "Befreiung vom Dollar", dort "digitale Souveränität". Ob diese Parallelität Zufall, technologische Notwendigkeit oder etwas anderes ist, wird im Schlusskapitel des Dossiers eingeordnet.

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