Ein kleines Beratungsunternehmen in Washington D.C. hat seit 2005 mehr als 6,5 Milliarden Dollar durch ein Geflecht gemeinnütziger Organisationen geschleust – ohne dass die Öffentlichkeit erfährt, wer am Ende wirklich zahlt. Das Modell ist so einfach wie wirkungsvoll: Eine gewinnorientierte Firma verwaltet mehrere „gemeinnützige" Fonds, bündelt darin Spendengelder verschiedenster Herkunft und verteilt sie neu – anonymisiert. Die Struktur selbst ist vollständig dokumentiert. Was daraus folgt, überlassen wir dem Leser.
BELEGT Arabella Advisors wurde 2005 von Eric Kessler gegründet, einem ehemaligen Mitarbeiter der Clinton-Regierung. Zwischen der Gründung und 2021 sammelte die Firma nach eigenen Angaben und Recherchen 6,5 Milliarden Dollar ein – der überwiegende Teil davon floss an politik- und prozessorientierte Organisationen im linken Spektrum.
BELEGT Das Geschäftsmodell folgt einem festen Muster: Arabella selbst ist eine gewinnorientierte Beratungsfirma (eine "Hub"). Sie hat mehrere gemeinnützige Organisationen gegründet und geführt – die sogenannten "Spokes" (Speichen): New Venture Fund, Sixteen Thirty Fund, Hopewell Fund, Windward Fund, North Fund, Telescope Fund und Impetus Fund. Zusammen werden sie in der Szene als "Seven Sisters" bezeichnet.
BELEGT Der Mechanismus ist von mehreren unabhängigen Medien (u.a. Tablet Magazine, New York Times, Politico) übereinstimmend beschrieben: Spender zahlen an einen der Fonds, zum Beispiel den New Venture Fund. Das Geld wird dort mit Beiträgen anderer Spender vermischt und anschließend als Zuschuss ("Grant") an die eigentlichen Empfängerorganisationen weitergereicht. Am Ende lässt sich zwar nachverfolgen, dass Geld in den Fonds hinein- und wieder herausfließt – welcher Spender welchen konkreten Zuschuss finanziert hat, ist jedoch nicht mehr feststellbar.
BELEGT Allein im Jahr 2020 zahlten die Arabella-Fonds auf diesem Weg 896 Millionen Dollar aus – nach Angaben der recherchierenden Fachpresse praktisch vollständig an politisch aktive Organisationen.
BELEGT Der Sixteen Thirty Fund muss als 501(c)(4)-Organisation seine Spender gesetzlich nicht offenlegen. Bereits 2018 identifizierte die gemeinnützige Rechercheorganisation OpenSecrets 13 Spender im Millionenbereich – einer davon zahlte allein 51,7 Millionen Dollar, ein zweiter 26,7 Millionen Dollar, ein dritter 10 Millionen Dollar. Die Identität dieser Großspender wurde bis heute nicht offengelegt.
| Jahr | Kennzahl | Betrag |
|---|---|---|
| 2018 | Kombinierter Umsatz (4 Hauptfonds) | 635 Mio. USD |
| 2020 | Einnahmen Gesamtnetzwerk | 1,6 Mrd. USD |
| 2020 | Ausgaben Gesamtnetzwerk | 1,2 Mrd. USD |
| 2020 | Sixteen Thirty Fund – Anti-Trump-Ausgaben | 410 Mio. USD |
| 2006–2023 | Konsultinggebühren an Arabella (7 Fonds) | über 200 Mio. USD |
| 2006–2023 | Gesamteinnahmen der 7 Fonds | 9,2 Mrd. USD |
BELEGT Nach Angaben der Rechercheorganisation Influence Watch zahlten die von Arabella verwalteten Non-Profits zwischen 2006 und 2021 zusammen rund 230 Millionen Dollar an Beratungsgebühren an Arabella selbst – also an ein gewinnorientiertes Unternehmen, das von denselben Personen geführt wird, die auch in den Vorständen der "gemeinnützigen" Fonds sitzen. Firmengründer Eric Kessler saß zeitweise in den Vorständen aller vier Hauptfonds.
BELEGT Zu den bekannt gewordenen Unterstützern zählen der Gewerkschaftsverband American Federation of Teachers, die Wyss Foundation des Schweizer Milliardärs Hansjörg Wyss sowie – über eine separate Wahlkampf-Organisation – 250.000 Dollar von Michael Bloomberg. Die Democracy Alliance, ein Spendernetzwerk mit Mitgliedern wie George Soros, empfahl ihren Mitgliedern, großzügig an den Sixteen Thirty Fund zu spenden.
BELEGT Die Bill & Melinda Gates Foundation war über 16 Jahre einer der größten Geldgeber des Netzwerks und stellte insgesamt rund 450 Millionen Dollar bereit – vor allem über den New Venture Fund, für den sie mit einer Startfinanzierung von 8,6 Millionen Dollar sogar früh Pate stand.
EXTRAPOLATION Konservative Beobachter werten die Umbenennung als Versuch, sich von der zunehmend kontroversen Arabella-Marke zu distanzieren und eine klarere rechtliche Trennung zwischen dem 501(c)(3)- und dem 501(c)(4)-Bereich zu schaffen – dies ist eine Einschätzung, keine bewiesene Absicht. Vertreter des Netzwerks bestreiten einen strategischen Hintergrund und verweisen auf organisches Wachstum.
BELEGT Arabella-Geschäftsführerin Sampriti Ganguli bestritt in einem Interview mit The Atlantic die Darstellung, ihre Organisation kontrolliere ein Netzwerk kleiner, unauffällig benannter Organisationen zu politischen Zwecken. Sie beschrieb ihre Arbeit als vergleichsweise kleines Dienstleistungsunternehmen für Personalwesen, Recht und Buchhaltung, dessen Aufgabe es sei, Philanthropie effizienter, wirksamer und gerechter zu machen.
EXTRAPOLATION Nach Angaben von Politico ist die Existenz des Arabella-Netzwerks selbst ein Beleg dafür, dass progressive Akteure inzwischen dieselben Finanzierungsmethoden nutzen, die sie zuvor an konservativen Netzwerken wie dem der Koch-Brüder kritisiert hatten. Diese Einordnung stammt von Journalisten, nicht von den beteiligten Organisationen selbst – sie wird hier als dokumentierte Einschätzung, nicht als objektiver Fakt wiedergegeben.
Eine Firma, die als gewinnorientiertes Unternehmen mehrere als gemeinnützig deklarierte Fonds führt, deren Geldflüsse sich am Ende nicht mehr auf einzelne Spender zurückführen lassen – das ist keine Verschwörungstheorie, sondern durch Steuerunterlagen, Gerichtsverfahren und übereinstimmende Medienrecherchen dokumentiert. Ob ein Konstrukt, das explizit dafür entworfen wurde, Spenderidentitäten zu verschleiern, dem demokratischen Wettbewerb der Ideen dient oder ihn unterläuft – das muss jeder Leser für sich selbst beantworten.