HIDDEN IN PLAIN SIGHT  ·  Infrastruktur der Einflussnahme, Teil 3: Internationale Strukturen  ·  Stand: Juli 2026

Arabella Advisors: Die Firma, die aus Milliarden-Spenden ein anonymes Netzwerk macht

Ein kleines Beratungsunternehmen in Washington D.C. hat seit 2005 mehr als 6,5 Milliarden Dollar durch ein Geflecht gemeinnütziger Organisationen geschleust – ohne dass die Öffentlichkeit erfährt, wer am Ende wirklich zahlt. Das Modell ist so einfach wie wirkungsvoll: Eine gewinnorientierte Firma verwaltet mehrere „gemeinnützige" Fonds, bündelt darin Spendengelder verschiedenster Herkunft und verteilt sie neu – anonymisiert. Die Struktur selbst ist vollständig dokumentiert. Was daraus folgt, überlassen wir dem Leser.

TAGS BELEGT EXTRAPOLATION OFFEN

Die Firma und ihr Gründer

BELEGT Arabella Advisors wurde 2005 von Eric Kessler gegründet, einem ehemaligen Mitarbeiter der Clinton-Regierung. Zwischen der Gründung und 2021 sammelte die Firma nach eigenen Angaben und Recherchen 6,5 Milliarden Dollar ein – der überwiegende Teil davon floss an politik- und prozessorientierte Organisationen im linken Spektrum.

BELEGT Das Geschäftsmodell folgt einem festen Muster: Arabella selbst ist eine gewinnorientierte Beratungsfirma (eine "Hub"). Sie hat mehrere gemeinnützige Organisationen gegründet und geführt – die sogenannten "Spokes" (Speichen): New Venture Fund, Sixteen Thirty Fund, Hopewell Fund, Windward Fund, North Fund, Telescope Fund und Impetus Fund. Zusammen werden sie in der Szene als "Seven Sisters" bezeichnet.

STRUKTUR-MECHANIK Vier der Organisationen sind nach US-Steuerrecht als 501(c)(3) eingestuft (klassische gemeinnützige Stiftungen, strengere Auflagen), die übrigen als 501(c)(4) (Interessenverbände, dürfen deutlich mehr Lobbyarbeit und eingeschränkt Wahlkampfaktivität betreiben). Diese Doppelstruktur ermöglicht es, Spenden je nach gewünschtem Verwendungszweck durch die passende Rechtsform zu leiten.

Wie aus Spenden anonyme Gelder werden

BELEGT Der Mechanismus ist von mehreren unabhängigen Medien (u.a. Tablet Magazine, New York Times, Politico) übereinstimmend beschrieben: Spender zahlen an einen der Fonds, zum Beispiel den New Venture Fund. Das Geld wird dort mit Beiträgen anderer Spender vermischt und anschließend als Zuschuss ("Grant") an die eigentlichen Empfängerorganisationen weitergereicht. Am Ende lässt sich zwar nachverfolgen, dass Geld in den Fonds hinein- und wieder herausfließt – welcher Spender welchen konkreten Zuschuss finanziert hat, ist jedoch nicht mehr feststellbar.

BELEGT Allein im Jahr 2020 zahlten die Arabella-Fonds auf diesem Weg 896 Millionen Dollar aus – nach Angaben der recherchierenden Fachpresse praktisch vollständig an politisch aktive Organisationen.

BELEGT Der Sixteen Thirty Fund muss als 501(c)(4)-Organisation seine Spender gesetzlich nicht offenlegen. Bereits 2018 identifizierte die gemeinnützige Rechercheorganisation OpenSecrets 13 Spender im Millionenbereich – einer davon zahlte allein 51,7 Millionen Dollar, ein zweiter 26,7 Millionen Dollar, ein dritter 10 Millionen Dollar. Die Identität dieser Großspender wurde bis heute nicht offengelegt.

Größenordnung: Die Zahlen im Zeitverlauf

JahrKennzahlBetrag
2018Kombinierter Umsatz (4 Hauptfonds)635 Mio. USD
2020Einnahmen Gesamtnetzwerk1,6 Mrd. USD
2020Ausgaben Gesamtnetzwerk1,2 Mrd. USD
2020Sixteen Thirty Fund – Anti-Trump-Ausgaben410 Mio. USD
2006–2023Konsultinggebühren an Arabella (7 Fonds)über 200 Mio. USD
2006–2023Gesamteinnahmen der 7 Fonds9,2 Mrd. USD

BELEGT Nach Angaben der Rechercheorganisation Influence Watch zahlten die von Arabella verwalteten Non-Profits zwischen 2006 und 2021 zusammen rund 230 Millionen Dollar an Beratungsgebühren an Arabella selbst – also an ein gewinnorientiertes Unternehmen, das von denselben Personen geführt wird, die auch in den Vorständen der "gemeinnützigen" Fonds sitzen. Firmengründer Eric Kessler saß zeitweise in den Vorständen aller vier Hauptfonds.

Bekannte Geldgeber und Verbindungen

BELEGT Zu den bekannt gewordenen Unterstützern zählen der Gewerkschaftsverband American Federation of Teachers, die Wyss Foundation des Schweizer Milliardärs Hansjörg Wyss sowie – über eine separate Wahlkampf-Organisation – 250.000 Dollar von Michael Bloomberg. Die Democracy Alliance, ein Spendernetzwerk mit Mitgliedern wie George Soros, empfahl ihren Mitgliedern, großzügig an den Sixteen Thirty Fund zu spenden.

BELEGT Die Bill & Melinda Gates Foundation war über 16 Jahre einer der größten Geldgeber des Netzwerks und stellte insgesamt rund 450 Millionen Dollar bereit – vor allem über den New Venture Fund, für den sie mit einer Startfinanzierung von 8,6 Millionen Dollar sogar früh Pate stand.

FALLBEISPIEL: WYSS-FOUNDATION-VERFAHREN Im November 2025 verklagte der Generalstaatsanwalt von Nebraska mehrere Non-Profits – darunter Wyss Foundation, Sixteen Thirty Fund und New Venture Fund – wegen des Vorwurfs, zwischen 2022 und 2024 mehr als 10 Millionen Dollar an ausländischen Zuwendungen illegal in lokale Volksabstimmungskampagnen geleitet zu haben. Grundlage war ein Nebraska-Gesetz von 2022, das ausländischen Staatsbürgern die Finanzierung von Abstimmungskampagnen untersagt.

Die Wende 2025: Gates zieht sich zurück, Arabella benennt sich um

September 2023
BELEGT Die Generalstaatsanwaltschaft von Washington D.C. eröffnet eine Untersuchung gegen Arabella Advisors und die von ihr kontrollierten Non-Profits wegen möglicher illegaler politischer Ausgaben rund um die Wahl 2020 und möglicher Selbstbedienung durch die Beratungsgebühren.
August 2025
BELEGT Die New York Times berichtet, dass die Gates Foundation ihre Unterstützung für das Arabella-Netzwerk leise eingestellt hat – im Rahmen einer umfassenderen Strategie, ihre wohltätige Arbeit zu entpolitisieren.
17. November 2025
BELEGT Arabella Advisors gibt seine Übernahme durch die neu gegründete Sunflower Services bekannt, eine "Public Benefit Corporation". Finanziert wird sie von drei der bisherigen gemeinnützigen Kunden: New Venture Fund, Windward Fund und Hopewell Fund. Der politisch aktivere Sixteen Thirty Fund fehlt in der Aufzählung der Investoren.
November 2025
BELEGT Der verbleibende Teil von Arabella firmiert unter dem neuen Namen "Vital Impact" weiter, geführt vom bisherigen Arabella-CEO Himesh Bhise. In Virginia handelt es sich laut Handelsregisterauszug um dieselbe juristische Person (Nummer S1572793), die lediglich ihren Namen geändert hat.

EXTRAPOLATION Konservative Beobachter werten die Umbenennung als Versuch, sich von der zunehmend kontroversen Arabella-Marke zu distanzieren und eine klarere rechtliche Trennung zwischen dem 501(c)(3)- und dem 501(c)(4)-Bereich zu schaffen – dies ist eine Einschätzung, keine bewiesene Absicht. Vertreter des Netzwerks bestreiten einen strategischen Hintergrund und verweisen auf organisches Wachstum.

Die Gegenposition: Was Arabella selbst sagt

BELEGT Arabella-Geschäftsführerin Sampriti Ganguli bestritt in einem Interview mit The Atlantic die Darstellung, ihre Organisation kontrolliere ein Netzwerk kleiner, unauffällig benannter Organisationen zu politischen Zwecken. Sie beschrieb ihre Arbeit als vergleichsweise kleines Dienstleistungsunternehmen für Personalwesen, Recht und Buchhaltung, dessen Aufgabe es sei, Philanthropie effizienter, wirksamer und gerechter zu machen.

Das Muster im Vergleich

EXTRAPOLATION Nach Angaben von Politico ist die Existenz des Arabella-Netzwerks selbst ein Beleg dafür, dass progressive Akteure inzwischen dieselben Finanzierungsmethoden nutzen, die sie zuvor an konservativen Netzwerken wie dem der Koch-Brüder kritisiert hatten. Diese Einordnung stammt von Journalisten, nicht von den beteiligten Organisationen selbst – sie wird hier als dokumentierte Einschätzung, nicht als objektiver Fakt wiedergegeben.

OFFENE FRAGEN OFFEN Wie hoch der tatsächliche Anteil ausländischer Gelder im Gesamtvolumen des Netzwerks ist, lässt sich anhand öffentlich zugänglicher Unterlagen nicht abschließend beziffern.

OFFEN Ob die Umstrukturierung zu Sunflower Services / Vital Impact rechtlich tatsächlich mehr Transparenz schafft oder überwiegend kosmetischer Natur ist, wird sich erst an künftigen Steuerunterlagen (IRS Form 990) zeigen.

Schluss

Eine Firma, die als gewinnorientiertes Unternehmen mehrere als gemeinnützig deklarierte Fonds führt, deren Geldflüsse sich am Ende nicht mehr auf einzelne Spender zurückführen lassen – das ist keine Verschwörungstheorie, sondern durch Steuerunterlagen, Gerichtsverfahren und übereinstimmende Medienrecherchen dokumentiert. Ob ein Konstrukt, das explizit dafür entworfen wurde, Spenderidentitäten zu verschleiern, dem demokratischen Wettbewerb der Ideen dient oder ihn unterläuft – das muss jeder Leser für sich selbst beantworten.

QUELLEN (Auswahl): Wikipedia (Arabella Advisors, Stand 2026) · Influence Watch · Ballotpedia · The Atlantic · Tablet Magazine · Politico · Washington Examiner · The Daily Signal · New York Times (Aug. 2025) · Nebraska Attorney General (Nov. 2025)
Impressum · Datenschutz