Wo Frankreich abzieht, füllt Russland die Lücke — nicht mit Krediten oder Infrastruktur, sondern mit Söldnern. Das Modell: Militärische Unterstützung für autoritäre oder von Putschen an die Macht gekommene Regierungen, im Gegenzug Zugang zu Gold- und Rohstoffvorkommen. Nach dem Tod Prigoschins 2023 übernahm der russische Staat direkt die Kontrolle über das Netzwerk — die "Wagner-Gruppe" wurde zum "Africa Corps", direkt dem russischen Verteidigungsministerium unterstellt. Die Bilanz zwei Jahre später: militärisch durchwachsen, menschenrechtlich verheerend dokumentiert.
Wagner war ein nominell privates Söldnerunternehmen, das sich seine Einsätze zu großen Teilen über direkten Zugriff auf Bergbaukonzessionen finanzierte — etwa in der Zentralafrikanischen Republik (CAR), wo Wagner seit 2018 aktiv ist und nach dem endgültigen Abzug französischer Truppen 2022 zur dominierenden Kraft wurde. Nach Prigoschins Tod im August 2023 baute der Kreml eine neue, direkt dem Verteidigungsministerium unterstellte Truppe auf: das Africa Corps. Diese übernahm ab Ende 2023 schrittweise das afrikanische Netzwerk Wagners.
Anders als Wagner, das über militärische Erfolge direkten Zugriff auf Minenkonzessionen suchte (in Mali erfolglos, in der Zentralafrikanischen Republik erfolgreich), nutzt das Africa Corps zunächst russische und guineische Unternehmen für seine militärischen Zwecke — die Struktur ist stärker in staatliche Geschäftsbeziehungen eingebettet als das alte Söldnermodell.
Mehrere unabhängige Quellen dokumentieren systematische Gewalt gegen Zivilisten durch Wagner- und Africa-Corps-Kräfte in Mali: Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen, Enthauptungen, Verstümmelungen, Niederbrennen von Dörfern. Malische Streitkräfte und russische Söldner töteten in der zweiten Jahreshälfte 2024 nach RAND-Recherchen mindestens 32 Zivilisten gezielt und brannten über 100 Häuser nieder; im Januar 2025 wurden mindestens 10 Menschen willkürlich hingerichtet, darunter Frauen und ein zweijähriges Kind.
| Land | Status |
|---|---|
| Zentralafrikanische Republik | Africa Corps übernahm Wagner-Netzwerk Mitte 2025; Präsident Touadéra 2025 wiedergewählt (Verfassungsänderung, mutmaßliche russische Unterstützung) |
| Burkina Faso | Militärbasis in Loumbila seit Anfang 2024 |
| Niger | Russische Kräfte seit 2024, nach US-Truppenabzug (siehe Teil 3) |
| Äquatorialguinea | Ausbildung von Präsidentengarde-Einheiten |
| Madagaskar | Kontakte nach Militärputsch 2025 |
| Togo | Militärkooperationsabkommen 2025, laut Berichten inkl. Hafenzugang |
In Mali versuchten Wagner-Kräfte 2023 wiederholt, die Kontrolle über artisanale Goldminen zu übernehmen (Balandougou, Koyoko, Yanfolila, später Intahaka) — mit wechselndem Erfolg. In der Zentralafrikanischen Republik gelang der Zugriff auf Bergbau, Holzwirtschaft und weitere Geschäftsfelder über Wagner-nahe Firmen dauerhaft. Parallel gewinnt Russland afrikanische Staaten als Verbündete bei UN-Abstimmungen — ein diplomatischer Nutzen, der sich messen lässt.