Zwischen 1998 und 2015 tauchen in den Rechnungsprüfungsberichten von US-Verteidigungsministerium (DoD) und Wohnungsbaubehörde (HUD) 21 Billionen Dollar an sogenannten „unsupported adjustments" auf — nicht belegbaren Buchungskorrekturen. Die Zahl stammt nicht von Bloggern, sondern aus den offiziellen Berichten der Office of Inspector General (OIG) beider Behörden selbst. Was danach geschah, liest sich wie ein Lehrstück über die Grenze zwischen dokumentiertem Behördenversagen und der Verlockung, daraus eine Geschichte über Geheimbasen zu machen.
Der Ökonom Mark Skidmore (Michigan State University) recherchierte 2016, nachdem ihm die ehemalige HUD-Beamtin Catherine Austin Fitts von einem Armeebericht mit $6,5 Billionen nicht erfasster Ausgaben im Jahr 2015 erzählt hatte. Skidmores erste Reaktion: Sie müsse Milliarden gemeint haben, nicht Billionen. Er suchte den Bericht selbst — und fand die Zahl bestätigt, direkt aus dem OIG-Bericht des Verteidigungsministeriums.
Das ist die eigentlich interessante — und lückenlos dokumentierte — Frage. Die Antwort heißt im Fachjargon „Forced-Balance Entries" oder schlicht „Plugs": Wenn die Buchhaltungssysteme des Pentagons nicht zusammenpassen, wird von den zuständigen Sachbearbeitern der Defense Finance and Accounting Service (DFAS) einfach eine Zahl eingesetzt, die die Bilanz rechnerisch zum Stimmen bringt — ohne zu klären, welche der beiden Ausgangszahlen überhaupt korrekt ist.
Ein ehemaliger Pentagon-Prüfer bezeichnete diese Praxis intern als den „grand plug". Allein im Jahr 2018 wurden laut Regierungsdaten 562.568 solcher Buchungsanpassungen vorgenommen — mehr als das eineinhalbfache der US-Wirtschaftsleistung in aufsummierten Korrekturbuchungen. 36.000 davon waren „forced-balance adjustments", die nach der eigenen Finanzvorschrift des Verteidigungsministeriums eigentlich unzulässig sind.
Das Verteidigungsministerium ist bis heute die einzige Bundesbehörde der USA, die keinen bestehensfähigen Prüfbericht („audit-ready") vorlegen konnte — verpflichtend seit einem Gesetz von 1990. Ein Teil der Diskrepanzen ist banal erklärbar: Kauft die Marine einen Hubschrauber von der Armee, taucht die Ausgabe in beiden Büchern auf, obwohl das Geld nur einmal geflossen ist. Ein anderer, größerer Teil bleibt schlicht ungeklärt, weil laut ehemaligen Prüfern niemand mehr nachvollzieht, welche der beiden Datenquellen stimmt.
Catherine Austin Fitts geht einen entscheidenden Schritt weiter als der reine Befund. Sie behauptet, das fehlende Geld sei in den Bau eines unterirdischen Basen-Netzwerks geflossen — mit einer eigenen, nach eigenen Angaben geschätzten Zahl von 170 Anlagen plus Transportsystem, teils unter dem Meeresboden. Zur Energieversorgung dieser Basen spekuliert sie über unbekannte Antriebstechnologien.
Ein praktischer Einwand gegen jede Mega-Basen-These lässt sich mit Physik statt Politik führen: Ein Tunnel von nur sechs Metern Durchmesser produziert genug Aushub, um pro Meile 18 olympische Schwimmbecken zu füllen. Solche Mengen erfordern normalerweise sichtbaren Abtransport — Lastwagen, Bagger, Personal, Genehmigungen. Bestätigte unterirdische Anlagen wie der Cheyenne-Mountain-Komplex oder Raven Rock beweisen, dass groß angelegter Untergrundbau technisch möglich und historisch belegt ist (Kalter-Kriegs-Ära, Kontinuität-der-Regierung-Programm). Ein Netzwerk von 170 zusätzlichen, komplett unsichtbaren Anlagen mit Tunnelverbindungen ist damit nicht bewiesen — es bleibt eine unbelegte Zusatzbehauptung auf einem real existierenden Fundament.
Auch bei der Sozialversicherung (Social Security Administration) gibt es dokumentierte Unstimmigkeiten — allerdings in einer völlig anderen Größenordnung und mit einem anderen Mechanismus. Weil Arbeitgeber ihre Lohnmeldungen ans Finanzamt (IRS) und an die Rentenbehörde (SSA) zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlicher Form einreichen, entstehen Differenzen: Aktuell kann die SSA rund 11,1 Milliarden Dollar nicht einzelnen Arbeitnehmerkonten zuordnen. Historisch, zwischen 1978 und 1987, summierten sich solche Differenzen auf über 58 Milliarden Dollar.
Warum akzeptiert der US-Kongress seit Jahrzehnten Haushaltsvorlagen einer Behörde, die ihre eigenen Ausgaben nicht belegen kann? Welche der 562.000 jährlichen Korrekturbuchungen sind harmlose Doppelerfassung, welche verdecken echten Mittelabfluss — und wer außer den Behörden selbst könnte das je klären? Und: Wenn schon die banale Erklärung (systemische Buchhaltungs-Inkompetenz über Jahrzehnte) so gravierend ist — braucht es für die volle Tragweite der Geschichte überhaupt die Untergrundbasen-These?